Götter, Gräber und Germanen

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Bei der Vorbereitung dieser Ausstellung haben uns unterstützt:

Die Familie Bernd Peters (Aquarelle, Schmuck, Modelle, Informationen)

Das Focke-Museum mit Dr. Bischop (Urnen, Gefäße, Modelle, Aufzeichnungen von Hans Peters)

Die Landesregierung Hannover, Archäologische Denkmalspflege, Dr. Cosack und Mitarbeiter (aktuelle Funde von den Betskamphöfen in Brinkum, Gefäße, Urnen, Grafik)

Gemeindearchiv Stuhr, Frau Meinusen (Dias, Reprographien)

Firma Wilhelm Wöhlke (Stiftung der Vitrinen, Hänselgerät)

Doris Wiebe (Nachbildung einer Urne, Webgewichte und Spinnwirtel)

Elisabeth Coors (Leinenhemd)

Meike Ehlers (Leinen)

Firma Mahlstedt, Christine Mahlstedt (Schmuckbestimmung)

Firma Rauschert, Horst Rauschert (Einladungskarten, Aufbau und Transport)

Hermann Kohlwey (Darstellung der Mühle)

Reinhold Schwier (Foto-Dokumentation der Brinkumer Ausgabungsstätte, div. Leihgaben, Aufbau und Transport)

Adalbert Glienke (Aufbau und Transport)

Peter Gehrmann (Aufbau und Transport)

Martin Tanger (Öffentlichkeitsarbeit)

Die Dokumentation wurde erstellt von Christa Schöningh und Harry Schröder

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vhs

Eine Ausstellung der Brinkumer Geschichtswerkstatt der Volkshochschule zur Brinkumer Kulturgeschichte

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Ausstellungseröffnung durch Frau Pastorin Busse, ev. Kirche Brinkum und Herrn Dr. Bischop vom Focke-Museum Bremen, Abt. Vor- und Frühgeschichte und ehrenamtlicher Denkmalpfleger für den Nordkreis Diepholz.

Es spielte das Flötenensemble der 1. Musikschule Riga/Lettland

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Die Brinkumer Geschichtswerkstatt der Volkshochschule Stuhr zeigte im Rahmen der Europäischen Wochen vom 9. Mai 2002 bis zum 19. Mai 2002 in der evangelischen Kirche in Brinkum ihre Ausstellung „Gemälde, Gräber und Germanen“.

Das Werk des Brinkumer Sammlers, Künstlers und Forschers Hans Peters zog sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung. In jahrzehntelanger Arbeit hatte Hans Peters Handwerk und Kunsthandwerk der Region dokumentiert und gesammelt.

Sein besonderes Interesse galt den Spuren der germanischen Chauken und Sachsen. Er fand zahlreiche keramische Gefäße, die nach seinem Tod (1962) Teil einer Sammlung des Focke-Museum Bremen wurden. Ähnlichkeiten der keramischen Muster und Ortsbezeichnungen zeigen uns, dass im 5. Jh. ein Großteil der Sachsen in das jetzige England auswanderte.

In jüngster Zeit wurden in Brinkum weitere Siedlungsspuren entdeckt und weckten großes Interesse in der hiesigen Bevölkerung sowie der Schulklassen.

Der freundlichen Unterstützung des Focke-Museums war es zu verdanken, dass einige der schönsten Brinkumer Urnen im Original zu sehen waren.

Die Ausstellung brachte außerdem einen Einblick in die wirtschaftliche Bedeutung früherer Berufsfelder des Ortes Brinkum (Blaudrucker, Korkenmacher, Leggemeister, Mühlenbauer und Frachtfuhrleute), wobei auch deutlich wurde, dass ein reger internationaler Handel sowie das Fachwissen von Menschen aus anderen europäischen Ländern zur Entstehung neuer Arbeitsmöglichkeiten geführt hatte.

Die Ausstellung gliederte sich in mehrere Bereiche:

Archäologische Frühgeschichte

Archäologische Funde, Zeichnungen und Modelle
Von Hans Peters 1935 und später

Neue archäologische Funde
in Brinkum / Betkampshöfe
(im Dezember 2001 bis zum Mai 2002)

„Lesebuch“zur Ausstellung
„Altes Handwerk – Bäuerliches Brauchtum“
(nach dem Buch von Hans Peters)

mit Ausstellungsgegenständen über die
• Mühlenbauer in Brinkum
• Frachtfahrer in Brinkum-Leeste
• Blaufärber in Brinkum
• Korkschneider in Brinkum
• Hollandgänger aus Brinkum
sowie dem letzten Leggemeister aus Brinkum

„Norddeutscher Trachtenschmuck“ aus der Sammlung von Hans Peters

Gemälde von Hans Peters

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Archäologische Frühgeschichte

Die Chauken und die Sachsen sind die ersten namentlich bekannten Stämme, die in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt in unserem Gebiet lebten. Sie waren Bauern und Viehzüchter und trieben regen Handel mit den Römern. Die Weser und das Meer dienten ihnen als Transportwege.

Tacitus /55-113 n. Chr.) beschreibt die Chauken als gerecht und friedliebend: „Ohne Habgier, ohne Herrschsucht, friedlich und zurückgezogen (lebend), fordern sie keine Kriege heraus.“ Ganz so friedliebend wie dargestellt, waren die Chauken aber wohl doch nicht. In großen Einbäumen fuhren sie als Seepiraten bis zur nordgallischen Küste und plünderten hier die reichen Siedlungen.

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Chauken und Sachsen in der historischen Überlieferung.
Gepunktete Linie: ungefähre größte Ausdehnung der Sachsen auf dem Kontinent.
Strich/Punkt-Linie: Fahrten chaukischer und sächsischer Piraten.
Durchgezogene Linie: Landnahmefahrten der Sachsen
Die Sachsen waren ein Volksstamm, der laut des Geographen Ptolemaeus von Alexandria (um 150 n. Chr.) als Nachbar der Chauken angesiedelt war. Das Kennzeichen des kriegerischen Stammes war das Sax, ein kurzes Hiebschwert.

Als Schutzwaffe diente der hölzerne, meist runde Schild, der einen spitzen oder halbkugeligen Schildbuckel aufweisen konnte. Häufig wird er bemalt gewesen sein.

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Etwa 200 n. Chr. schlossen sich die Chauken, die Agrivarier und auch die Cherusker den Sachsen an.

Um die Mitte des 5. Jahrhunderts wanderten sie mit seetüchtigen Schiffen nach Britannien aus und errichteten in Ostengland einzelne Herrschaftsbereiche, die sich in noch heute gültigen Gebietsnamen wie Sussex (Südsachsen), Wessex /Westsachsen), Essex (Ostsachsen) nachweisen lassen. Schon vorher, noch unter römischer Herrschaft, waren sächsische Familien angesiedelt worden, doch nahm diese Auswanderungswelle die Ausmaße eines regelrechten Exodus an.

Die alten Siedlungen wurden zum Teil vollständig verlassen. Archäologisch lässt sich dieser Umstand dadurch feststellen, dass die Belegung einiger Gräberfelder im niedersächsischen Küstenraum abrupt abbrach.

Auch die Bevölkerungsanteile des Weser-Hunteraumes nahmen an der Auswanderungsbewegung nach England teil.

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Auswanderungsbewegungen der Sachsen, Angeln und Jüten nach Großbritannien.
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Reichverzierte gefundene Urnen aus Brinkum weisen nahe englische Parallelen auf.

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ein kleines eingeritztes Kreuzgibt es auf einer Urne aus Spong Hill in England das kleine sächsische Urnengefäß mit eingestrichenem Kreuz stammt aus Brinkum

Die heutige Bezeichnung der Ortschaft Stuhr und auch Stühren, Gemeinde Nordwohlde ist auf den alten Namen des Klosterbaches Sture zurückzuführen. (Dr. D. Bischop)

Der Name Stour (Sture, Stura) ist im angelsächsischen Bereich ungewöhnlich oft vertreten. (Sture = gewaltig, mächtig, stark strömend)
(Stura = a(chwa) = Wasser).

Spuren nach England

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Siedlungs- und Wirtschaftsweise der Altsachsen

Schiffahrt

steuermannDie größeren Flüsse wie die Weser, aber auch kleinere, waren mit flachbodigen Booten befahrbar. Man verwandte hierzu Einbäume und Plankenboote. Die Einbäume konnten zum Übersetzen von Personen über Flüsse, zum Transport von kleineren Nutzlasten oder zum Fischen gedient haben.

 

 

 

Steuermann und Ruderer eines römischen Schiffes Reliefsteinquader von einem Grabmal aus Köln, 1. Jh. n. Chr.

 

 

 

 

In einem verlandeten See nördlich von Sulingen fand sich ein germanischer Einbaum. Dieser Einbaum mag dem Fischfang auf dem kleinen See gedient haben. Der Fischer, der auf einer abgesetzten Sitzbank Platz nehmen konnte, lagerte seine Beute vermutlich in dem durch einen Steg abgesetzten Raum.

 

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einbaum

Hof- und Ackerbau

(aus dem Begleitbuch „Die Altsachsen“ des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover, 1995)

Die Wirtschaftsweise der Altsachsen stand ganz im Zeichen der ökonomischen Traditionen. Der Sicherung der Lebensmittelversorgung, der Bewahrung des Viehbestandes – vor allem über den Winter hinweg – galt besondere Aufmerksamkeit.

Mensch und Vieh lebten unter einem Dach. Die Gehöfte des 4. und 5. Jh. sind durch sehr lange Hauptgebäude gekennzeichnet. (Längen um 60 bis 70 m wurden erreicht).

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Grundriss und Rekonstruktion eines Wohnstallhauses von der Feddersen Wierde, Kr. Wesermünde

Der Stallteil mit den einzelnen Viehboxen ist von der Schmalseite begehbar. An den Längsseiten befinden sich kurz vor dem abgetrennten Wohnraum auf jeder Seite eine Tür.

Daneben gab es Vorratsgebäude sowie Häuser, in denen handwerkliche Tätigkeiten verrichtet wurden, so etwa die eingetieften Grubenhäuser, die häufig Webstuben waren.

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mantelNachgewebter germanischer Mantel des 2. Jh. n. Chr.

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Arbeiten am Webstuhl, zu sehen sind die hängenden Webgewichte. (nachgestellt in Bremen/Huchting)

Webgewichte und Spinnwirtel
aus dem Siedlungsgebiet der Chauken in
den Betkampshöfen Brinkum.
(Nachbildung von Doris Wiebe, Keramikerin)

webgewichte

Altsächsische Töpfer

(aus dem Begleitheft „Die Altsachsen“ des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover, 1995)

„Für die altsächsische Bevölkerung muss das Töpferhandwerk von großer Bedeutung gewesen sein. Besonders seit dem ausgehenden 4. bis 5. Jahrhundert erreichte dieser Handwerkszweig eine Blütezeit.

Neben schlichter, zweckmäßiger, oft unverzierter Gebrauchskeramik, wie Schalen oder einfache Krüge, bestechen vor allem reich verzierte Gefäße, die vorwiegend als Urnen für Brandbestattungen Verwendung fanden.

Sie sind in der Regel sorgfältig geformt und mit zahlreichen Ornamenten kunstvoll verziert, Rillen und Riefenmuster, Dellen, unterschiedliche Stempelmotive, aufgesetzte Tonleisten, sowie vor dem Brand der Gefäße aus der Wandung herausgedrückte Buckel geben diesen Gefäßen ein sehr plastisches, beinahe barock anmutendes Aussehen. Diese auch als „sächsische Buckelkeramik“ bezeichnete Tonware ist wegen ihres typischen Aussehens geradezu ein Kulturanzeiger für sächsische Fundstellen. Ob sich hinter einem Teil dieser differenzierten Verzierungsformen – etwa in der Einstempelung von Miniaturfüßen – eine kultische Symbolik verbirgt, lässt sich zwar vermuten, aber bislang noch nicht beweisen. Die Keramik wurde in jener Zeit von Hand hergestellt“.

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reichverzierte Buckelurne aus Brinkum, Detail der Urne mit Stempeln in Füßchenform. Die Urne enthielt den Leichenbrand einer 16-18jährigen jungen Frau, Ende 4./5. Jh. n. Chr.

Archäologische Funde, Zeichnungen und Modelle von
Hans Peters 1935 und später

Hans Peters schrieb 1935 folgendes:

„Der Name für das heutige Dorf B r i n k u m, von Brink-Anger abgeleitet, erscheint zum ersten Male als Brinkerebroch in einer Urkunde vom 27. Juni 1063, welche sich im Staatsarchiv von Hannover befindet.

Nach den bisherigen Funden verläuft diese alte Begräbnisstätte in der Richtung Süd-West nach Nord-Ost und ist bei genauer Beobachtung durch eine leichte Bodenwelle erkennbar. Es sind bisher etwa 90 Urnen in Museen sichergestellt worden. Leider wurden viele Urnen aus Unkenntnis vernichtet.

Die meisten Urnen stammen aus der sächsischen Zeit, einzelne Urnen und Urnenscherben deuten auf chaukischen Ursprung. Beide Typen wurden auf dem Urnenfriedhof gefunden. Sächsische Urnen, zwischen zerstreut im Boden befindlichen chaukischen Urnenscherben, lassen auf eine lange Nachbestattungszeit schließen. Nach den bisherigen Funden handelt es sich um eine Bestattungszeit in Brinkum von 900 v. Chr. bis 450 n. Chr., doch ist diese Periode nicht endgültig, da weitere Bodenfunde zu erwarten sind. (geschehen Januar 2002 – Mai 2002)

Besonders unter den sächsischen Urnen aus der Zeit um 300 bis 450 n. Chr. befinden sich Stücke von hervorragender Form und mit reichen geschmackvollen Verzierungen, welche heute noch jedem Kunsttöpfer als Vorbild dienen könnten.

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Die verschiedenen Beigaben, wie Bronzeschnallen, verzierte Knochenkämme, Pinzetten, Glasperlen u. dgl., lassen auf einen hohen Kulturstand unserer Brinkumer Vorfahren schließen.

Von den alten Flurbezeichnungen deuten verschiedene Namen auf alte Kultstätten hin.

Der Urnenfriedhof trug früher die Flurbezeichnung „In den Dalwern“, aus dem plattdeutschen „dalwärts“, in den Boden versenkt. Im nordwestlichen Teil der Gemarkung zwischen Marsch und Vorgeest, vom Ausgang des alten Ortsteiles bis zum Stuhrer Graben, liegt der „Betsbruch“. Südlich vom Betsbruch, an diesen anschließend und bis zum Stuhrer Graben reichend, auf höherem Boden, waren die „Betkamps Höfe“.

karte_bri34Brinkum im Jahre 1934

In der Karte von 1773 der topographischen Landesaufnahme des Kurfürstentums Hannover, welche außerordentlich genau gezeichnet und in der jedes Hausgrundstück mit allen darauf befindlichen Gebäuden vermerkt ist, sind am Rande des „Betsbruches“ und an den „Betkamps Höfen“ 6 Hausgrundstücke, jedoch ohne Gebäude eingezeichnet. Da der „Betsbruch“ als eine vorchristliche und vielleicht auch als eine christliche Kultstätte angesehen werden muß, – unsere Vorfahren meistens in der Nähe von Kultstätten ihre Wohnsitze hatten und ferner der in der Nähe vorbeifließende Stuhrer Graben für Trinkwasser und für den Fischfang in Frage kam, – wird die erste Siedelung von Brinkum auf den „Betkamps Höfen“ gewesen sein. Bodenforschungen sind hier noch nicht vorgenommen worden. (aber im Jan. 2002 bis Mai 2002.)

Im Jahre 787 n. Chr. wurde der angelsächsische Priester Willehad zum Bischof von Bremen eingesetzt. Um diese Zeit werden auch die Brinkumer Christen geworden sein. Da das Verbrennen der Leichen bei Todesstrafe verboten war, wird wohl kein lodernder Scheiterhaufen mehr nach Bremen hinüber geleuchtet haben.“

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peters_sammlUrnenfunde und Sammlungen Hans Peters

 

buckelurne_grossSächsische Buckelurne reichverziert, u. a. mit Stempeln in Füßchenform.
Die Urne enthielt den Leichenbrand einer 16-18jährigen jungen Frau.
Beigabe: Tierbeigabe und ein Knochenkamm mit Futteral
Fundort: Brinkum südlich der Feldstraße

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peters_modell2Modellbau Hans Peters
(so wurden die Urnen in das Erdreich eingebettet)

 

Modellbau Hans Peters
(so wurden die Urnen in das Erdreich eingebettet)
Hans Peters schnitzte die kleinen Modellurnen aus Kork (er war Korkfabrikant)

Neue archäologische Funde in Brinkum/Betkampshöfe

(im Dezember 2001 bis zum Mai 2002)

Harry Schröder, Geschichtswerkstatt der VHS Brinkum schreibt folgendes:

„Am Freitag, den 28. Dezember 2001 las ich in der Kreiszeitung einen Bericht über den Bau einer Straße durch die Betskampshöfe.

Mir war klar, dass sie Trasse durch ein altes Siedlungsgebiet der Chauken führte. Der Brinkumer Heimatforscher Hans Peters hatte in den dreißiger Jahren dort in unmittelbarer Nähe auf dem damaligen Denkerschen Grundstück bedeutende vorgeschichtliche Funde gemacht. Die Aufzeichnungen darüber von Hans Peters waren mir bekannt, und auch sein Hinweis, dass auf dem östlich angrenzenden Acker weitere Funde zu erwarten seien.

Ich fuhr sofort mit einem Spaten zur Baustelle. Leider war die freigeschobene Trasse schon wieder mit Sand gefüllt, so dass Urnen, Sandverfärbungen usw. nicht mehr zu entdecken waren.

Ich suchte daher in den aufgeschütteten Sandwällen im Norden und Osten der Baustelle. Dabei stieß ich auf Urnenscherben mit Asche und Knochenresten.

Sofort rief ich Dr. Bischop beim Focke-Museum in Bremen an. Dr. Bischop ist auch ehrenamtlicher Bodendenkmalspfleger für den Landkreis Diepholz.
Wir, von der Geschichtswerkstatt Brinkum, hatten zuvor von ihm schon Ausstellungsmaterial für unsere geplante Hans-Peters-Ausstellung bekommen.

Eine halbe Stunde nach meinem Anruf war er vor Ort und erkannte sofort, dass die Funde aus dem 4. und 5. Jh. vor Chr. stammten.
Wir gruben gemeinsam bis zum Dunkelwerden und füllten noch einige Schalen mit Urnenscherben.

Im neuen Jahr, nach den Feiertagen, meldete ich den Fund der Gemeinde Stuhr, die Kontakt mit dem Bezirksarchäologen in Hannover aufnahm. Von dort wurde nach Besichtigung des Geländes eine Probegrabung vorgeschlagen, die dann auch mit Erfolg durchgeführt wurde.“

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foto_bri04„Forscherklasse“ 5 g der OS Stuhr Brinkum mit ihren Pädagogen Wolfgang Kottisch und Dr. Jennifer Munro

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peters_fotoKorkfabrikant Hans Peters mit Oberlandwirtschaftsrat Dietrich Lohmann (der Sohn des letzten Frachtfahrers) vor Korkballen aus Portugal

Der Mühlenbauer

Es ist beachtenswert, dass bereits für mehr als 200 Jahren an den Mühlenbauer Anforderungen gestellte wurden, die auch heute noch ihre Gültig- keit haben dürften. Der Mühlenbauer soll nicht nur ein geschickter Zimmermann und Tischler, sondern auch ein guter Maschinenfachmann, Müller und Baumeister sein.

Von den zahlreichen Wassermühlen, Lohmühlen, Bock- und holländischen Windmühlen sowie den Öl-, Grütz- und Walkmühlen als Nebenbetrieben, die es früher in unserem Kreise gab, sind noch die Wassermühlen und wenige holländischen Windmühlen für die Getreidemüllerei erhalten geblieben.

Im Gegensatz zu der Bockmühle, bei der sich das ganze Gehäuse auf ihrem Bocke dreht, hat die holländische Windmühle einen festen Unterbau und eine drehbare Haube. Bei den meisten Mühlen besteht der achteckige Unterbau bis zum dritten Stockwerk aus massivem Mauerwerk, während der weitere Aufbau-Stapel aus Holz gezimmert ist.

Es gibt Mühlen, die bis zur Haube aus massivem Mauerwerk bestehen, doch hat diese Bauart trotz der erhöhten Feuersicherheit den Nachteil, dass das Holz der Bodenträger leichter in Fäulnis übergeht als bei den Mühlen mit hölzernem Aufbau und der weichen Bedachung aus Reith.

Einige Müller ließen die Bedachung von der Innenseite wegen erhöhten Feuerschutzes mit Lehm abputzen, andere bevorzugten für die Haube oder auch für die ganze Bedachung Holzschindeln oder Schiefer.

Auch die Mühlenkappe oder Haube ist Zimmermannsarbeit, wie denn bei alten Mühlen durchweg Eichenholz, jedoch wenig Eisen verarbeitet wurde.

War es eine beschlossene Sache, dass in einem Dorfe eine Windmühle errichtet werden sollte und bestand die Aussicht, dass auch der Staat die Konzession erteilen würde, holte man bei der Besichtigung des Bauplatzes das Gutachten des Mühlenbauers ein.

Eine Mühle war für die ganze Dorfgemeinschaft von so großer Wichtigkeit, dass nicht selten die Gemeindeverwaltung den Bauplatz zur Verfügung stellte.
Am Dorfausgang im freien Felde, ohne nähere Umgebung von Häusern, Bäumen und Wald, auf einer mäßig erhöhten Stelle mit guter Zufahrt- straße, war für eine Windmühle der geeignete Platz. Denn so konnten die Flügel den „Erdwind“ ungehindert erhalten, der kräftiger und gleich- mäßiger ist als der Höhenwind.

Sehr häufig war der künftige Mühlenbesitzer ein Bauer, der über einen eigenen Waldbestand ver- fügte, in dem der Mühlenbauer die zum Schlagen benötigten Stämme bezeichnete.

Konnte die Mühle laufen und Gottes Korn vermahlen, war die Arbeit des Mühlenbauers beendet. Das Dorf hatte ein neues und schönes Wahrzeichen erhalten.

Glück zu!

muehleMühle Brinkum um 1910

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Der Mühle Richtfest

Heidbrink hinterm Dorf entlang, wo Ackerfluren sich breiten, da steigt ein Bauwerk hoch und schlank, und grüßt uns schon von weitem.

Es wuchs die Mühle Tag für Tag so wohl gefügt auf’s Best durch Handwerkskunst und Äxteschlag. Doch heut ist Richtefest.

Der große Baum, die Welle schwer wurde glücklich eingebracht. Musikanten und den Richtkranz her! Und alles jubelt und lacht.

Ernst spricht der Altgesell vom Bau: Unsere Arbeit ist gediegen, und überall, wohin ich schau, stimmen Maße, Binder, Schmiegen.

D’rum hat uns der Müller mit Lob bedacht, und froh ist unser Blick; bis hierher hat uns Gott gebracht, gib auch der Mühle Glück.

Das Glas zerschellt! Der Müller lud zum Richtschmaus alle ein. Und wem das Tanzen nicht gefällt, der bleibt bei Bier und Wein.

Wie lustig spält die Vigelin, hell smettert de Trumpet. De Tuba brummt, as möt‘ so sin; kumm her min‘ lütt Margret!

O! Danz mit mi und lach mit mi, hüt hört us de ganze Welt! ’ne grote Möhl bo ick für Di! Ick heff man noch keen Geld.

Un Klarinett up ehre Ort de gillt un jucht darto. De Baß brummt wat in sinen Bort, wör’k man so jung und froh!

Hans Peters

Reihe der Mühleninhaber der Windmühle Große Mühlenstraße 30

1826 Johann Seemann, Windmüller

1843 Müller, Joh., Semanns Erben

1876 Eduard Seemann

1880 Johann Ordemann, Mühlenbauer,
durch Kauf
Ernst Nordbruch
Ehefrau, geb. Bruns

Geschichtliches:

Bei den Kämpfen 1945 wurde die Mühle eingeäschert. Ein in der Hofeinfahrt Stubben-Lohmanns an der Syker Straße stehender englischer Panzer wurde aus der Mühle heraus von SS-Soldaten beschossen. Darauf erwiderte er das Feuer und schoß die Mühle in Brand.

Mühlenplatz heute:

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Die Frachtfuhrleute – Die „Leister“

Als die Waren noch „per Achse“ befördert wurden, bildeten die Frachtfuhrleute eine große Gilde mit eigenen Sitten, Gebräuchen, Liedern und Trachten.

In einigen Gegenden Deutschlands hatten sich ganze Dörfer dem Frachtfuhrwesen verschrieben. Eine von diesen 6 bis 7 Fuhrmannszentralen und wohl die bedeutendste war Leeste-Brinkum. Die günstige Lage an den beiden verkehrsreichen Handelsstraßen nach dem Westen und Süden sowie die Nähe von Bremen als Seehafen für aus- und eingehende Kaufmannsgüter hatte es mit sich gebracht, dass in diesen beiden Dörfern das Frachtfuhrwesen als bäuerliches Neben-, vereinzelt wohl auch als Hauptgewerbe herangebildet wurde.

Nach den Feststellungen von C.H. Hüchting gab es um 1830 in Leeste, Brinkum sowie benachbarten Ortschaften und der Stadt Bremen insgesamt 250 Fuhrleute, von denen Leeste mit 178 Namen die weitaus größte Anzahl stellte.

Im allgemeinen unterhielt ein Hof ein Frachtfuhrwesen, vereinzelt hatten sich einige Bauern zu einem gemeinsamen Fuhrunternehmen zusammen getan. Es gab aber auch Höfe mit mehreren Gespannen. Claus Schulte in Leeste soll in der Blütezeit 28 Pferde, eine eigene Schmiede sowie eine Stellmacherei besessen haben.

Die blau angestrichenen Frachtfuhrwagen hatten noch hölzerne Achsen mit Splinten als Sicherung. Infolgedessen durfte an keinem Wagen der „Smeerpott“ fehlen. Wenn ein jüngerer Begleiter die Reise mitmachte, musste er als „Splintenkieker“ seines Amtes walten. Als weitere Zubehörteile seien außer der Laterne mit Glas- und Hornscheiben der schwere eiserne Hemmsch erwähnt.

Die Fuhrmannstracht um 1830 bestand aus einem blauen Kittel mit roten oder weißen Achselstickereien, kurzen ledernen Hosen, langen Strümpfen und Gamaschen mit roten Bindebändern oder den langen Fuhrmannsstiefeln, die bis über das Knie gingen. Dazu kam ein rotes baumwollenes oder seidenes Halstuch und ein runder, ursprünglich mehr zylinderförmiger Hut mit Schnur und Troddel, unter dem eine lederne Kappe oder Zipfelmütze getragen wurde.
Gelegentlich pflegte der Fuhrmann seinen Hut mit einem Blumenstrauß zu schmücken. Gegen die Unbilden der Witterung schützte die „Chinillje“, der wollenen, blaue, innen rot gefärbte Umhang mit langem Schulterkragen.

Zur weiteren Reiseausrüstung gehörte die um den Leib geschnallte lederne Geldkatze, die halblange Meerschaumpfeife mit Silberbeschlag, der lederne Tabaksbeutel, das Reisefeuerzeug mit Stahl und Feuerschwamm und die Peitsche mit dem aus der Salweide hergestellten vierfach gedrehten Peitschenstiel. Mit der Peitsche lenkte der Fuhrmann seine Pferde und gab damit die Richtung an.

In Nürnberg war die „Linie“ der großen Frachtfuhrmannschaft. Nur wer da „gehänselt“ war, was geschah, wenn er zum ersten Male dahin kam, war ein „rechter Fuhrmann“.

Dietrich Lohmann (Fassens) aus Brinkum ist am 23. Juni 1856 in Nürnberg gehänselt worden. Es ist das die letzte Eintragung im Hänselbuch des „Goldenen Engels“ zu Nürnberg. Als Paten bei diesem Hänseln werden ein Dietrich Voßmeier aus Erichshof und ein Heinrich Iden aus Leeste genannt, und es ist hierbei recht üppig gefeiert worden.

Die beiden Wagenleitern hatten in der Mitte eine Öffnung zum Einhängen der Fässer. Die übrigen Flächen zwischen den Holmenbäumen und Scheeren waren mit einem Weidengeflecht ausgefüllt. Vorn am Wagen befand sich ein kleineres und hinten ein größeres Heck, während unter dem Wagen ein viereckiger Kasten, das „Schiff“ hing. Die ganze Ladung war mit einem über eschene Bügel gezogenen Wagenlaken aus groben Leinen überdeckt, das über die seitlich herausragenden Fässer noch verlängert war.

Die Pferde, zwei- oder vierspännig, trugen schwere Kummetgeschirre mit reichem Messingzierrat.

Am Knarren und Klirren, vor allem aber am Peitschenknall konnten die Angehörigen schon von weitem „ihren“ Wagen erkennen, wenn er von der Reise zurückkam.

fuhrwerkDie Zeichnung zeigt ein Frachtfuhrwerk um 1850. So sahen die Fuhrwerke der „Leister“ aus. Die Frachtfuhrleute waren Zielscheibe der Kritik von Pastor Holzmann in seinem „Bericht an das Amt Syke“ im Jahr 1785.

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Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts war im Frachtverkehr der zweirädrige Karren noch am meisten gebräuchlich. Selbst in Bremen gab es 1826 mehr zweirädrige Karren, als vierrädrige Wagen.

Mit dem erweiterten Bahnbau, für unsere Gegend war die Inbetriebnahme der Osnabrücker und Hamburger Bahnen in den Jahren 1873/74 ausschlaggebend, war das Frachtenfahren nicht mehr lohnend und hörte bald ganz auf.

Es wird dem Frachtfuhrmann schwer geworden sein, die Landstraßenpoesie und die alten Sitten und Gebräuche zu entbehren, den blauen Fuhrmannskittel an den Nagel zu hängen, um selbst wieder den Pflug in die Hand zu nehmen. Für den Hof war es so besser…

 

drueckerFrachtfahrer Drücker aus Leeste

lohmannFrachtfahrer Dietrich Lohmann, Brinkum, wurde 1856 in Nürnberg „gehänselt“

idenHeinrich Iden aus Leeste war bei der Hänselung von Dietrich Lohmann Pate

Der Blaufärber

(in der Blütezeit der Handweberei war „Blaufärben“ in Brinkum gefragt und Hunderte von Druckformen lagerten in den Regalen an der Bremer Straße)

Es ist wohl anzunehemn, dass unsere Vorfahren mit iher hochentwickelten Webetechnik auch das künstliche Färben der Stoffe aus Flachs und Schaf- wolle schon frühzeitig angewandt haben, obwohl die zum Weben der Kittel, Jacken, Röcke und Mäntel benutzte Schurwolle mit ihren natürlichen Farben Weiß, Grau, Braun und Schwarz bereits mancherlei Abwechslung boten.

Das Selbstfärben von Spinn- und Webstoffen in altershergebrachter Weise wurde von der bäuer- lichen Bevölkerung lange fortgesetzt, bis auch auf dem Lande mehr Färbereien entstanden und der fachkundige Meister aufgesucht werden konnte. Hierbei sei erwähnt, dass die blaue Farben stets bevorzugt worden ist.

Im Jahr 1838 erwarb der Färbergeselle Georg Friedrich Ocker in Brinkum das Haus Nr. 22 an der Bremer Straße, um hier eine Färberei einzu- richten.

Diese Gründung in der Blütezeit der Handweberei, insbesondere der bäuerlichen Leinenweberei, kam einem großen Bedürfnis nach gefärbten und be- druckten Stoffen entgegen, soll doch die Ockersche Färberei in der damaligen Zeit die ein- zige zwischen Bremen und Diepholz gewesen sein.

Färbermeister Georg Friedrich Ocker entstammte einer alten Färberfamilie aus Diepholz. Nach der Diepholzer Chronik erscheint der Name Ocker in Verbindung mit dem Fäberhandwerk bereits zum Beginn des 18. Jahrhunderts.

Ende der sechziger Jahre trat Färbermeister Christian Ocker in das väterliche Geschäft ein, nachdem er als ehrsamer Färbergeselle auf seiner Wanderschaft auch bei fremden Meistern das Handwerk kennen gelernt hatte.

In dem inzwischen neuerbauten Wohnhaus war an der Straßenseite der Annahmeraum für die zu färbenden Spinn- und Websachen. Sollte ein Stück Leinen als Tischdecke, Kissen, Vorhang oder Schürze bedruckt werden, wurde der Kundin ein Musterbuch vorgelegt, dass eine Auswahl von verschiedenen Abbildungen des Blaudrucks enthielt. So konnte die Bäuerin unter der fach- kundigen Beratung des Meisters ihren persön- lichen Empfindungen Rechnung tragen.

musterIn einem gesonderten Raum lagen in Regalen Hunderte von Druckformen, von denen einige 150 bis 200 Jahre alt waren und sich vom Vater auf den Sohn vererbt hatten.

Immer wieder waren neue hinzugekommen, die sich die Söhne auf ihren Wanderfahrten abgezeichnet und in Birnbaumholz zum Teil selbst nach- geschnitten oder von einem Formstecher hatten nachschnitzen lassen.

Einige Druckformen zeigten reine Holz- schnitzereien, andere waren noch mit Messing- stiften und Messingstreifen verziert. Wir sehen Blumenranken, Tierornamente, den Lebensbaum, die Raute und dergleichen mehr in einer Fülle und Formschönheit, wie sie selten in der handwerklichen Kunst wiederkehrt.

Bevor das Leinen mit dem Blaudruck versehen wurde, musste es gründlich gereinigt, das Fabrik- leinen von der Appretur befreit werden. Nach der Trocknung wurde es auf einem Tisch, der mit einem Tuch bespannt war, glatt ausgebreitet.

Nun wurde die Druckform, von einem Kissen aus mit einer Isoliermasse, dem „Druckpapp“ versehen, auf das Leinenstück gesetzt und mit einem kräftigen Schlag auf die Rückseite angepresst.

faerbenSo wurde Abdruck an Abdruck in sorgfältiger Arbeit aneinandergereiht, bis ein geschmackvolles Gesamtmuster erreicht war. Dieser für den Farb- stoff undurchdringliche „Druckpapp“ erschien vorläufig gelb auf dem weißen Leinen.

Nachdem das so bedruckte Leinen mehrer Tage an der Luft getrocknet worden war, damit sich der „Druckpapp“ fest mit dem Gewebe verbinden konnte, wurde es in Radrahmen und in die „Küpe“ mit der Indigolösung getaucht.

Nach dem vollständigen Austrocknen wurde der Stoff mit einem Bad mit schwacher Säure behandelt, um den „Druckpapp“ zu entfernen. Jetzt erschien das aufgedruckte Muster in reinem Weiß auf blauem Grund. Nachdem die Stücke noch im Bad gründlich gespült und getrocknet worden waren, wurden sie mit einer schweren Rolle gemangelt.

Ein langer Arbeitstag hatte aus dem haltbaren Leinen und dem lichtechten unempfindlichen Indigo-Blaudruck ein weiteres schönes Stück für Brautlade geschaffen.

Der Färber musste natürlich auch mit anderen Farben wie Rot, Braun, Grau und Schwarz für das Einschlaggarn arbeiten, doch wurde Blau stets bevorzugt.

Die Ockersche Färberei wurde im Jahr 1908 ein- gestellt. Die Handweberei war nicht mehr lohnend, die Fabriken hatten auch den Blaudruck beiseite gedrängt. Ein uraltes Handwerk, ein Stück Volkskunst, war der modernen Zeit zum Opfer gefallen.

Die Korkschneider

bzw. „Champagnermänner“ – eine bemerkenswerte Heimarbeit. Im 19. Jahrhundert war die Kork- schneiderei im Nordkreis weit verbreitet.

Zu den Berufen, die sich infolge Mechanisierung in der Arbeitswelt grundlegend änderten, gehört das Schneiden von Korken.

Bremen war wohl der größte deutsche Einfuhr- hafen für Korkholz, das in den östlichen Mittelmeerländern, hauptsächlich Portugal, Sizilien, Marokko und Algier geerntet wurde.

Die korkeiche, die das wertvolle Korkholz – besser gesagt die Korkschutzrinde – hervorbringt, wird alle acht bis zehn Jahre geschält und nach den gleichen Zeiträumen wieder abgeschält, bis der Baum nicht mehr ertragsfähig ist.

Die guten Eigenschaften des Korkholzes, seine Elastizität, Geruch- und Geschmacklosigkeit sowie seine große Leichtigkeit sind trotz aller Ersatzversuche bisher nicht erreicht worden.

Das Schneiden von Korken wurde zuerst in Spanien ausgeübt. In Deutschland gehen die Anfänge bis in das 17. Jahrhundert zurück. Die Nähe des Einfuhrhafens für Korkholz brachte es mit sich, dass in Bremen und besonders südwestlich von Bremen die Korkschneiderei durch Unternehmer aufgenommen wurde.

Das Korkschneiden war ausschließlich Heimarbeit. Der Korkschneider war sein eigener Meister und lernte auch die Lehrlinge an. Er war dem Unternehmer gegenüber nur für eine gute Ausnutzung des Korkholzes und für einen guten „Schnitt“ verantwortlich.

Sein Handwerkszeug wie den Korkschneidetisch, das krumme Abstreifmesser und nicht zu vergessen den Schleifstein – die Korkmesser mussten immer haarscharf sein – hielt er selbst.

Es wurde bis in den späten Abend hinein gearbeitet – häufig in Gesellschaft von benachbarten Korkschneidern. Dabei wurde erzählt und gesungen. Als eine Kuriosität muß hierbei erwähnt werden, dass verschiedene Kork- schneider nebenbei den Beruf eines Dorfmusikers ausübten, um bei Festlichkeiten und Hochzeiten aufzuspielen.

Die meisten Korkschneider wohnten in den Ortschaften zwischen Brinkum und Delmenhorst. Die im Jahre 1869 gegründete Korkfabrik von H. Peters in Brinkum hatte 10 Jahre später 70 Korkschneider in Arbeit. Auf allen Wegen bis nach Delmenhorst begegnete man den Korkschneidern mit ihren Schiebkarren voll Korkholz oder den Leinensäcken voll Korken.

Hatte der Korkschneider einen neuen Vorrat geholt, so musste das Korkholz zunächst geweicht werden, damit es beim Schneiden nicht brach.
Dann konnte mit dem Zurichten für die von dem Fabrikanten aufgegebene Korkengröße begonnen werden. Zunächst wurden die Korkholzplatten mit dem krummen Abstreifmesser in Streifen geschnitten. Die Breite des Streifens ergabdie Länge des Korkens.

Nachdem die Borke von den Streifen geschnitten worden war, wurden diese mit einem scharfen Handmesser in Würfel zerlegt. Waren genügend Würfel hergestellt, begann die schwierigste Arbeit des Korkschneiders, das Rundschneiden.

Zu diesem Zweck war am Korkschneidetisch ein kleiner Holzgalgen angebracht, gegen den das Messer gestützt wurde, während der lange sebstgefertigte Grif auf dem Oberschenkel ruhte. Nun wurde mit der linken Hand und dem Daumen der rechten Hand der Würfel gegen das Messer geführt und mit wenigen Schnitten der Kork herausgeschält.

Nach jedem Kork wurde das Messer über den ledernen Knielappen gezogen, damit der Schnitt immer schön glatt blieb.

korkschneiderIn den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts kamen die ersten brauchbaren Korkschneide- maschinen auf. Viele Handschneider wurden später in der Korkenfabrik weiter beschäftigt, denn es waren Fachleute, die das Material kannten, also hochqualifizierte „Champagner- Männer“, die für unzählige Schaumweinflaschen die „Stöpsel“ herstellten. Nach einer Statistik wurden hier in unserem Gebiet einst jährlich etwa 300 Millionen Korken hergestellt.

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Die Hollandgänger

Es war Anfang Mai, lange bevor der Tag graute, als ein kleiner Trupp Männer, die Sense geschultert, den ledernen „Holster“ umgehängt und den derben „Eeckhester“ in der Hand, das Brinkumer Dorf auf der Bassumer Landstraße verließen. Sie wanderten rüstig weiter über Harpstedt nach Wildeshausen, wo sie sich mit anderen Männern, welche die gleiche Ausrüstung hatten, mit lauten Zurufen als alte Bekannte begrüßten.

Nach einem kräftigen Frühstück, das der Holster barg, Schwarzbrot, Speck, Schmalz oder Butter aus der hölzernen „Bodderdös“ zogen sie gemeinsam auf der alten Flämischen Heerstraße über Ahlhorn, Cloppenburg, Haselünne, Lingen an der Ems nach Holland weiter.

Das waren die „Hollandgänger“, die jedes Jahr um die gleiche Zeit aus den Dörfern unserer nordwestdeutschen Heimat nach Holland gingen, um dort – meistens im Akkord – einen Verdienst im Grasmähen, Grabenziehen und Torfstechen zu suchen.

In Lingen wurden die Hollandgänger gezählt. Um 1850 überschritten jedes Jahr 25 000 Mann die Emsbrücke zwischen Lingen und Schepsdorf.

Spätestens im Herbst, einige Grasmäher schon nach 8 bis 10 Wochen, kamen die Hollandgänger wieder zurück, den Buckel steif vom Arbeiten und den Beutel voll Taler. Wie es heißt, soll der Holster neben ausreichender Wegzehrung auch mitunter Schmugglerware enthalten haben.

Das mag sein, doch wird es sich wohl haupt- sächlich um Geschenke für die Lieben daheim gehandelt haben. Tatsache ist, dass aus unserer Gegend vielfach zwei bis drei Sulinger Sensen- blätter mit nach Holland genommen wurden, die dort sehr begehrt waren.

Geld war damals knapp in deutschen Landen und so ist es manchmal vorgekommen, dass der Hollandgänger, der doch immer zu den „kleinen Leuten“ rechnete, von seinem Bauern sehnsüchtig erwartet wurde, um ihm aus der Geldverlegenheit zu helfen.

Nach 1870 hörten die Hollandfahrten allmählich auf, Deutschland konnte seinen Landeskindern selbst genügend Arbeit und Verdienst geben.

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Der letzte Leggemeister von Brinkum

Gleich nach Lichtmeß begann früher das Weben. Der auseinandergenommene Webstuhl wurde von den Männern vom Boden geholt, aufgestellt und festgekeilt. Die Frauen bereiteten das Webgarn vor und die Kinder wurden bei der Anfertigung der Spulen mit eingesetzt.

Als Tagewerk einer Weberin wurde ein Smitten langes fertiges Leinen angenommen, doch war dann die Weberin von jeglicher Hausarbeit befreit.

Das fertige Leinenstück wurde in der Sonne gebleicht, am Abend aufgezogen und in einen Wasserkübel gelegt, um am nächsten Morgen wieder auf der Bleiche aufgezogen zu werden.

Sonnenschein und Regen mussten beim Bleichen abwechselnd helfen. Blieb der Regen aus, wurde mit der Gießkanne nachgeholfen.

Welche Bedeutung dem Spinnen und Weben beigemessen wurde, geht daraus hervor, dass sowohl das Königreich Hannover wie auch das Königreich Preußen Beamte anstellte mit dem Titel „Königlicher Leggemeister“, die Länge, Breite und Güte von dem Stück Leinen prüfen und abstempeln mussten, falls das Stück verkauft werden sollte.

In Brinkum war der Postexpediteur Busch der letzte Leggemeister. Er wurde mit „Herr Leggemeister“ angeredet, weil nach Ansicht der Bevölkerung ein Leggemeister mehr bedeutete und wichtiger war als ein Postexpediteur.

Im Jahre 1876 wurde der Leggenzwang aufgehoben, doch amtierten die Leggemeister noch etliche Jahre weiter.

Hans Peters schrieb in seinem 1947 herausgegebenen Buch „Altes Handwerk – Bäuerliches Brauchtum“

…“als Junge wollte ich meinen Drachen mit blauem und grünem Papier bekleben, aber blau neben grün war keine „Mode“.

Mutter Natur lachte darüber, und im nächsten Frühjahr setzte sie mitten zwischen das satte Grün der Kartoffeläcker und das Blaugrün der Roggenfelder einen viereckigen blauen Fleck. Die Farbe hatte sie sich extra vom Himmelszelt geholt.

Das war Flachs, himmelblauer Flachs. Und nach Lichtmeß klapperte in der Dönze der Webstuhl und vom Flachs wurde Leinen und vom Leinen wurde Hochzeit – doch dazwischen lag viel Arbeit.

leinen

Norddeutscher Trachtenschmuck aus der
Sammlung von Hans Peters

Der norddeutsche Schmuck fällt durch seine außerordentliche Typenvielfalt, Variationsbreite im Dekor und Qualität der Ausführung auf. Die Frauen trugen Halsketten, Hemdspangen, Mantel- und Schürzenschließen, Miederverschlüsse, Knöpfe, Fingerringe und Haarnadeln.

Zu den im Norden durch besonders gestalteten Schmuck hervortretende Regionen und Orten gehören Nordfriesland, Dithmarschen, das Alte Land, die Vierlande und die Gegend um Rotenburg, u. a. das Kirchspiel Scheeßel.

Ein Schmuckstück hat sich besonders erhalten: die runde oder herzförmige Spange. Die prächtig verzierte Brustspange germanischen Ursprungs befestigte man am Unterkragen.

bruthartenAuch heute noch sind die Altenländer „Brutharten“ ein beliebtes Verlobungs- oder Hochzeitsgeschenk. Das Herz als Zeichen der Liebe zählt in der Volkskunst zu den am meisten verwendeten Motiven.

Zu den religiösen Symbolen gehören gleichfalls Kreuz, Anker und Herz. Das Kreuz steht für Glauben, der Anker für Hoffnung und das Herz für Liebe. Dieses Sinnbild, das die drei theologischen Kardinaltugenden darstellt, wurde in der Hochkunst besonders im 17. Jahrhunderts verwendet.

herz

kroneEin in Nordfriesland und im Alten Land vor allem auf Halskettenschlössern sehr häufig auftreten- des Motiv ist die Krone. Die Krone ist Herr- schafts- und religiöses Weihesymbol. Als letzteres diente beispielsweise die Brautkrone. Wann und mit welcher Bedeutung dieses auch in Holland verbreitete Motiv der Krone als Schmuck- dekor eingeführt wurde, lässt sich heute kaum mehr ermitteln. Es wird die Vermutung geäußert, dass die Krone die ehemalige Zugehörigkeit zum Königshaus Hannover dokumentieren sollte.

Wie die Herzen dienen auch die Tauben, in Einehe lebende Tiere, als Symbol des Friedens. In der christlichen Kunst wie in der Volkskunst finden wir sie als Symbol des Heiligen Geistes.

taubenZu den ältesten Schmuckstücken des Menschen gehört der Fingerring. Infolge seiner Gestalt ohne Anfang und Ende gilt der Ring als Symbol der Ewigkeit, als Zeichen der Treue und Liebe.

Wie der Ring gehört auch die Halskette zum ältesten Schmuck des Menschen. Im nord- deutschen Raum finden wir vielfach Bernstein- ketten, aber auch mehrreihige Ketten aus Silber- oder Filigranperlen. Noch heute heißt es auf Föhr, dass jemand, der etwas auf sich hält mindestens eine vierreihige Brustkette tragen müsse.

ketteKnöpfe an Hose, Weste und Rock spielten bereits in der Männermode des 17. Jahrhunderts eine große Rolle und wurden auf dem Lande zum Hauptschmuck der Männertracht. Einen reinen Schmuckcharakter können Knöpfe aber auch bei der Frauentracht haben.

trachtenDie Gürtelschließe, der „Lievhaken“ zeigte die feine Goldschmiedekunst. Bis 1760 war der Schmuck schlicht, dann kam die Filigranarbeit hinzu, zwischen 1800 – 1840 das Besetzen mit Glassteinen.

lievhakenNeben den Motiven können auch die Steine symbolischen oder gar magischen Charakter haben. Im Mittelalter reiht man den Granat unter die fünf heilenden Steine ein. Er soll sich dem Volksglauben nach trüben, wenn dem Träger ein Unglück droht. Außerdem soll er vor Melancholie bewahren. Der Rubin gilt als Stein der Liebe. Außerdem schützt er Furcht und schlechten Gedanken.

Glassteine werden überwiegend in den Farben Rot,Grün, Blau verwendet, wobei Rot Liebe bedeutet Grün Hoffnung und Blau Treue. Der Bernstein gilt in der Volkskunst als schmerz- stillend und soll gegen verschieden Krank- heiten wirken.

Zusammenfassung Christa Schöningh im Mai 2002

Ich danke Familie Peters, Frau Mahlstedt und Herrn Schwotzer/Bibliothek Stuhr Brinkum für die fachliche und freundliche Unterstützung

Literaturangaben:
1.) Volkstümlicher Schmuck, Katalog, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
2.) Der Silberschmuck der Nordseeküste, K. Wachholtz Verlag
3.) Brauchtum und Trachten im Kirchspiel Scheeßel
4.) Die schönsten deutschen Trachten / Süddeutscher Verlag

Filigran bedeutet „gekörnter Draht“.

Es ist eine alte Schmucktechnik, bei der aus speziellem Gold- oder Silberdraht feine Ornamente hergestellt werden. Nur einfache Goldschmiedewerkzeuge sind dafür erforderlich.

Für die Herstellung des „gekörnten Drahtes“ gibt es zwei Verfahren:

1) Zwei dünne Drähte werden miteinander verdreht (kordiert) und flachgewalzt.
2) Auf einen dünnen Runddraht wird ein grobes Gewinde geschnitten. Der „Korndraht“ ergibt sich beim Flachwalzen.

Mit diesen Drähten lassen sich die vielfältigsten Muster biegen. Immer sind es der Schnörkel und die flache Spirale, die sich am natürlichsten aus dem Draht wickeln lassen. Um die notwendige Stabilität zu gewährleisten, werden die zarten Filigran-Ornamente in feste Drahtrahmen oder Bleche gelötet. Durch Zusammenfügen einzelner Flächen lassen sich plastische Formen erzeugen. Es gibt keine Nacharbeiten wie Feilen, Schmirgeln und Versäubern. Das gelötete Stück wird lediglich mattweiß gebeizt und mit einem Stahl poliert. Im Mittelalter verzierte man den Schmuck und Kirchengerät sehr häufig mit Ornamenten aus Filigran. Seit dem 18. Jahrhundert wurde es bevorzugte Technik des bäuerlichen Schmucks und damit wichtiger Bestandteil der Volkstrachten. Das Filigran hat sich bis heute seine Frische und Beliebtheit erhalten.

filigranNorddeutscher Trachtenschmuck aus der Sammlung Hans Peters

schmuck1Norddeutscher Trachtenschmuck aus der Sammlung Hans Peters

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Gemälde von Hans Peters

(in der Ausstellung war eine große Anzahl farbenprächtiger Gemälde zu sehen)

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Pressespiegel

… und was sonst noch lief

(Erwachsenen- und Kinder kulturprogramm)

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Literatur

Altes Handwerk – Bäuerliches Brauchtum,
Hans Peters, 1947

Speere und Spiele, Dr. Dieter Bischop, 1996

Die Altsachsen,
Niedersächsisches Landesmuseum Hannover, 1996

Siedler, Söldner und Piraten, Dr. Dieter Bischop, 2000

Die römische Kaiserzeit und frühe Völkerwanderungszeit zwischen Weser und Hunte, Dr. Dieter Bischop, 2001

Huchting vor 2000 Jahren, Andreas Fetchenhauer, 1996

Brinkum – Bilder von gestern und Heute, Horst Rauschert, 1988

Standfußurne 4. Jh. n. Chr.

(Nachbildung von Doris Wiebe, Keramikerin)

Eine bereits im Jahr 1891 aufgefundene Urne aus dem Gräberfeld Brinkum. Sie ist mit Fibelspiralabdrücken und Ritzlinien verziert. In ihrem Inneren befanden sich verbrannte Knochenreste eines 55 -65 Jahre alten Mannes und Beigaben aus Bonze und Eisen.

Die Originalurne befindet sich im Focke-Museum Bremen

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