Brinkumer Postgeschichte

titel

Die Brinkumer

Postgeschichte

Aufzeichnungen von Harry Schröder

Über die Postgeschichte Brinkums zu schreiben, lohnt sich das? Interessiert das jemanden, und war das kleine Dorf am Rande Bremens als Postort überhaupt von Bedeutung?

Ich meine ja!

Zeigen uns doch alte Straßennamen, wie „Poststraße nach Bassum“ und „Postweg nach Syke“, daß hier schon früh Boten und Fahrposten auf dem Wege von und nach Bremen durchkamen.

Als dann 1833 eine Hannoversche Postspeition eröffnet wurde, entwickelte sich daraus bald ein Stützpunkt, von wo aus Postkutschen und Landbriefträger ausschwärmten, um die ganze Gegend von Kirchweyhe bis Harpstedt mit Post zu versorgen.

Mit dem Aufkommen der Eisenbahn und der Landkraftposten verlor Brinkum vorübergehend diese Bedeutung, um heute als Zentrales Eingangsamt der Großgemeinde Stuhr wieder das größte Postamt unserer Region zu sein.

Die vorliegende Arbeit ist das Ergebnis langjährigen Sammelns von Texten, Bildern und Berichten, sowie das Aufzeichnen eigener Erinnerungen an meine Tätigkeit in allen Dienstzweigen und nacheinander in allen vier Postämtern Brinkums.

Ich hoffe, daß neben bekannten und bereits veröffentlichten Beiträgen auch solche aus privater Quelle oder Postakten und aus Archiven das Interesse des Postlers wie des Heimatfreundes finden werden.

Um den Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht zu sprengen, habe ich aus der Fülle des Materials, besonders aus jüngerer Zeit, ein Auswahl treffen müssen. Aus älterer Zeit hätte ich gern mehr gebracht und der Vergessenheit entrissen. Aber je weiter zurück, desto größer die Lück. Ich denke aber, daß dennoch die Entwicklung unserer Brinkumer Post deutlich geworden ist.

Für die Zukunft wünsche ich mir, daß trotz der jetzt anstehenden organisatorischen und technischen Veränderungen das gute Verhältnis der Kunden zu ihrem Postamt Brinkum erhalten bleibt.

Ich danke allen, die mir Berichte und Bilder zur Verfügung stellten und wünsche den Lesern dieser Blätter viel Freude daran.

Brinkum, im Oktober 1992
Harry Schröder

briefbote

reiter

Die Lage Brinkums vor den Toren Bremens, dort wo zwei wichtige Fernstraßen sich treffen, gab der Post hier schon früh eine besondere Bedeutung.

Die Ochtum als Ortsgrenze war in der wechselvollen Geschichte unserer Heimat zumeist auch Landesgrenze. Somit war in Brinkum bis ins 19. Jahrhundert hinein auch eine Zollstation.

Wann zum ersten Mal der Peitschenknall und das Horn des Postillions erschallten, ist heute nicht mehr mit Sicherheit zu sagen. Sicher ist, daß es im 17. Jahrhundert hier einen Wandel vom reitenden Boten zur Fahrpost gegeben hat.

Jahrhunderte hindurch sandten Ritter und Grafen des Mittelalters eigene Boten. Die Klöster hatten besondere Klosterboten für den Verkehr untereinander und mit den Bischofssitzen. Diese Boten, insbesondere die der Klöster Heiligenrode und Bassum, werden auf dem Wege nach Bremen durch Brinkum gekommen sein.

Mit dem Aufblühen der Hanse entstanden hanseatische Reitposten. Schon vor dem Dreißigjährigen Krieg am 3. März 1608 wurde ein Vertrag wegen einer regelmäßigen Botenpost zwischen Bremen und Braunschweig abgeschlossen. Braunschweig, Welfenstadt und Hansestadt, war damals die zweitgrößte Stadt Norddeutschlands. Brinkum war Durchgangsstation dieser Post. Im Staatsarchiv Hannover befindet sich manches Schreiben mit dem Eingangsvermerk: Z.B. „Einkommen mit Bremer Post am 21. März 1633.“ Ob die 1676 vom Bremer Bürger Daniel Koch zwischen Bremen und Braunschweig errichtete erste richtige Fahrpost über Brinkum ging, ist nicht erwiesen. Erwiesen ist, daß preußische Fahrposten hier durchkamen, deren Reisende Brinkum nicht immer in guter Erinnerung behielten. Darüber schreibt A. Paul im Syker Heimatbuch:

“ Der große Kurfürst Friedrich Wilhelm, der Schöpfer des brandenburgisch – preußischen Postwesens, hatte einen Postkurs von Memel bis Kleve eingerichtet, auf welchem Wege das an der Westfälischen Pforte gelegene Minden Station war. Als er (1682) die Afrikanische Handelskompanie in Emden gegründet hatte, brauchte er nach Ostfriesland eine Postverbindung. Er suchte Anschluß an die Reitpost Bremen – Emden und wollte daher die Strecke Minden – Bremen mit einer Fahrpost versehen. Landgraf Karl von Hessen – Kassel, der Gründer von Karlshafen, genehmigte auch die Einrichtung brandenburgischer Poststationen in Uchte und Bassum und der Rat der Stadt Bremen eine solche in seinem Bereich. Dagegen verweigerte der Herzog von Braunschweig – Lüneburg der Post Bremen – Minden die Durchfahrt. Als dessen ungeachtet am 1. Oktober 1699 zum erstenmal diese von Bremen abging und bei Brinkum braunschweigisches Gebiet berührte, ließ der Zöllner den Schlagbaum herunter und verhinderte die Weiterfahrt. Da fuhr der Postillion kurz entschlossen durch das damals dänische Gebiet über Delmenhorst.

In der Folgezeit überkam noch ein anderes Mißgeschick diese amtliche preußische Post. Früher hatte ein Privatunternehmer den nördlichen Teil dieser Strecke gefahren. Aus Ärger über den Verlust ließ dieser durch eine Schar Bewaffneter mehrmals die neue Post anfallen, jagte ihr Personen und Briefbeutel unter Drohung und Gewalt ab und lud Reisende und Postsachen kurzerhand auf die von ihm bereitgehaltenen Postwagen. Als die preußische Postbehörde daraufhin die neue Verbindung eine Zeitlang einstellte, verlangten die hierdurch benachteiligten Handelskreise Bremens vom Rat die Sperrung jener Privatpost, der dann auch der Zutritt in hanseatisches Gebiet untersagt wurde. Nun erst gelang es, eine ungestörte Fahrpost zu unterhalten.“

Überhaupt, wollte man wichtige Nachrichten abfangen, dann überfiel man einfach den Boten, um ihm die Sendungen abzunehmen.

postbus

Die uns heute so romantisch erscheinenden Fahrten mit der Postkutsche, waren für die Reisenden damals eher ein beschwerliches, oft auch gefährliches Unterfangen. Allein der Zustand der Wege machte das Reisen zur Qual. Dies mag man am Beispiel des alten Steinweges durch die Marsch erkennen. Diese alte Handels- und Heerstraße stand im Winter oft monatelang vom Ortsrand bis zur Ochtumbrücke unter Wasser. Das trat immer dann ein, wenn oberhalb von Arsten die schwachen Weserdeiche brachen und sich das Wasser in die Ochtumniederung ergoß. Der ausgespülte Weg wurde im Frühjahr immer wieder mit Steinen und Buschwerk befestigt. Dazu wurden die Brinkumer und Leester Bauern herangezogen. Die Ämter der Grafschaft Hoya mußten Material anliefern und Hilfskräfte stellen.

Der Syker Amtmann berichtete: „Ich bin bey hohem Wasser, und wan der Brinkumer Steinweg ausgetrieben gewesen, darauf mit anderen Leuthen ofte in Lebensgefahr gewesen.“

Nach 1600 wurde der wichtige Damm mit Strohwiepen und Birkenbaken wie ein Fahrwasser auf dem Watt besteckt, um so den Weg zu markieren.

Wenn das Wasser nun gar zu hoch stand, so daß sich kein Wagen mehr hindurchwagen konnte, wurden Pferd und Wagen per Schiff durch die Marsch gebracht. Es lagen hüben und drüben Fähren bereit, die die Reisenden gegen Entgelt durch die Fluten schifften. Seit dem 16. Jahrhundert bestand dieser (seit 1603 konzessionierte) Schiffsverkehr. Im Jahre 1777 schreibt das Amt Syke eine feststehende Taxe vor, die beim Zollhaus in Brinkum -hier lagen immer 8 flache Kähne bereit- entrichtet werden mußte.

zollhaus
Das Brinkumer Zollhaus – heute Bremerstraße 43, Ridder – Hier mußte auch für die Benutzung des Steinweges ein Wegegeld und teils auch ein erhöhter Zoll entrichtet werden.Von einem geordneten Postwesen konnte man im hannoverschen eigentlich erst sprechen, nachdem die drei Welfenfürsten Stechinelli, dem Günstling Herzog Georg Wilhelm von Celle, die Post ihrer Länder übergaben. Er richtete u.a. als Generalpostmeister die Relais ein, das sind Postwirtshäuser zum Einstellen und Auswechseln der Pferde. Im Kurfürstentum Hannover wurde 1736 das Postwesen allgemein verstaatlicht und die sogenannten Postspeditionen eingerichtet.

Der „Staats – Calender über das Churfürstentum Braunschweig – Lüneburg von 1775“ gibt Auskunft über die damalige Postlinie Hannover – Bremen. Montags und freitags früh um vier Uhr ging die Fahrende Post von Hannover über Neustadt nach Nienburg und weiter über Hoya, Bruchhausen – Vilsen, Syke und Brinkum nach Bremen. In Gegenrichtung kamen die Postwagen Dienstags- und Samstagabend in Hannover an.

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Haus Hildebrandt
Haus Hildebrandt

Auf einem Freisassenhof – heute Bremer Str. 1, Hildebrandt – war die erste Brinkumer Post. Hier das 1945 abgebrannte Haus der Familie Hildebrandt.

 

Von der Postspedition zum Kaiserlichen Postamt

Am 21.05.1833 wurde in Brinkum eine „Hannoversche Postspedition eröffnet, um eine Verbindung zwischen Hannover und Ostfriesland zu ermöglichen. Seit Jahren bestanden Differenzen zwischen dem Hannoverschen und Bremischen Stadtpostamt, in deren Folge Bremen als Vermittlungsstelle nicht in Anspruch genommen werden durfte. Prestigefragen und Gebührenstreitigkeiten veranlaßten daher die Hannoversche Postverwaltung, die Spedition in Brinkum zu errichten, von hier eine Reitpost nach Delmenhorst zu unterhalten, um so den Anschluß an die Oldenburger Fahrpost zu erreichen, mit der ein besseres Verhältnis bestand. Bremen wurde also umgangen.

Durch die Bemühungen des Bremer Postdirektors Bartsch kam 1846 ein Vertrag zwischen den drei beteiligten Verwaltungen zustande, der den Postkrieg beendete.

Die erste Brinkumer Post war in einem Haus an der jetzigen Bremer Straße 1 untergebracht. Dieses und die umliegenden Grundstücke gehörten zu einem Freisassengut, welches damals im Besitz der Familie Schweers war. Auf dem freien Platz vor dem Hause fuhren die Fahrposten von Bremen, Hannover und Osnabrück kommend vor, um die „Fahrpostgegenstände“ auszutauschen.

Aus der Bekanntgabe einer „Postenveränderung“ vom 1. Januar 1848 entnehmen wir:

Vom 1. Januar 1848 an, ciculieren die Posten wie folgt:
1. Fahrpost von Bremen nach Syke – Abgang täglich 9 Uhr morgens, Ankunft täglich 10 Uhr morgens, womit die Briefe und Fahrpostgegenstände nach Syke, Asendorf, Nienburg usw. spediert werden.
2. Fahrpost von Syke nach Bremen – Abgang täglich 6 Uhr abends, Ankunft in Brinkum 7 Uhr abends, womit die Briefe und Fahrpostgegenstände nach Bremen usw. spediert werden.
Bei der erstgedachten Post, müssen die Briefe bis 81/2 Uhr und Fahrpostgegenstände bis 8 Uhr morgens aufgeliefert sein. Bei der zweiten Post sind die Briefe bis 6 Uhr und die Fahrpostgegenstände bis 5 Uhr abends aufzuliefern.

Die Osnabrücker Post circuliert wie bisher.

Brinkum, den 1. Januar 1848
Königliche Postspedition
Unterschrift

aenderung

In seinem Buch „Altes Handwerk und Bäuerliches Brauchtum“ schreibt Hans Peters über die damalige Brinkumer Post u.a.:

„Ein Postwagen kam vom Hauptpostamt auf dem Domshof in Bemen und brachte die Postsachen für die ganze Gegend, die von hier aus bestellt wurden. Wenn die Post in Brinkum reinfuhr, fing der Postillion schon bei der Kirche an, sein Horn zu blasen. Einer von den beiden letzten Postillionen soll das wunderschön gekonnt haben. Von dem Brinkumer Postamt fuhren dann besondere Postwagen nach Harpstedt, Heiligenrode, Leeste und Kirchweyhe. Diese Postwagen hatten Sitze mit Verdeck, die außer dem Postschaffner, der zugleich Fuhrmann war, noch für zwei Reisende Platz boten.

Als die Eisenbahn von Köln nach Bremen fertig war, hörten die Fahrten nach Harpstedt auf. Im Mai 1873 ist die letzte Post von Brinkum nach Harpstedt gefahren und ihr Postillion – Krischan Böttcher – ist sein Lebtag nicht anders als Post Krischan genannt worden.

Die Brinkumer Postschaffner mußten selbst ihre Briefe austragen, denn Posthilfsstellen gab es damals noch nicht. Da ging ein ganzer Tag drüber hin, und gegen Abend kamen sie mit ihren Postwagen wieder angefahren.

Seckenhausen, Hallenhausen, Wulfhoop und Neukrug sind von Brinkum durch Landbriefträger bestellt worden. Das waren früher Wege – und was für welche.

Der letzte Postmeister im alten Posthaus hieß Busch. Das war ein grober Mensch. Kommt da nach Feierabend noch eine Frau an und klingelt den Postmeister raus. Der steckt den Kopf durch die Klappe und schimpfte. –„Och, Herr Legemeister, ich wollte gern eine Briefmarke haben zu einem Groschen.“ – Darauf wurde der Gnatterkopf furchtbar grob. –„Och, Herr Legemeister, ich dachte, ich wollte euch mal was zu verdienen geben.“

Keiner nannte ihn Postmeister, jeder sagte Legemeister, denn das war für die Leute ein höherer Titel. Der alte Busch war beides, Postmeister und Legemeister. Auch der Legemeister war von der Regierung eingesetzt und Busch hatte zwei Ämter, das Postamt und die Leinenlege wahrzunehmen.

Nach dem Deutschen Krieg wird Hannover Preußische Provinz. Somit wird die Königlich Hannoversche Postspedition in eine Königlich Preußische umbenannt.

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Dieser Brief wurde am 30. April 1868 in Diepholz aufgeliefert und mit einer 1-Groschenmarke freigemacht.Einen großen Fortschritt bedeutet es, als der Norddeutsche Bund in seinem Bereich vom 1. Januar 1868 an ein einheitliches Postgesetz einführte. Das Porto für einen einfachen Brief betrug für alle Entfernungen einen Silbergroschen.

Im Jahre 1869 begann man mit der planmäßigen Einstellung von Landzustellern. Dabei war es in der Landzustellung üblich, daß besondere Gebühren vom Empfänger eingezogen wurden, die der Amtsvorsteher nach seinem Gutdünken festsetzte. Beschwerden haben zu der Anordnung geführt, daß die Gebührensätze sich mit den amtlich festgesetzten decken mußten.

In Brinkum wurde die Zustellung in den Dörfern der Umgebung zwei- bis dreimal wöchentlich durchgeführt. Es waren zwei Landzustellbezirke gegründet worden 1) von Brinkum nach Erichshof, Hörden, Leeste, Melchiorshausen, Kattenturm und 2) von Brinkum nach Klein- und Groß Mackenstedt, Heiligenrode, Neukrug, Seckenhausen, Hallenhausen, Kronsbruch, Feine, Bartelshorn und Wulfhoop. Die Landzusteller mußten 100 Taler Kaution stellen und bekamen 150 Taler Jahresgehalt.Im Jahre 1869 begann man mit der planmäßigen Einstellung von Landzustellern

paketboteMit der Reichsgründung und der gründlichen Neugliederung der Reichspost wurde Brinkum der Kaiserlichen Oberpostdirektion Bremen unterstellt und zum Postamt III. Klasse erhoben. Im Oktober 1871 trat das neue Reichspostgesetz in Kraft.

Inzwischen war die Post umgezogen, denn Schweers hatte 1866 seine zum ehem. Freisassengut gehörende Gastwirtschaft an Johann-Cord Lindhorst verkauft. Es wurde ausdrücklich festgelegt, daß ein Teil des Kaufobjektes nicht bebaut und die Überfahrtsgerechtigkeit erhalten bleiben mußte, damit war vermutlich der Hofraum vor dem heutigen Grundstück Bremer Straße 1 (Hildebrandt) gemeint, wo damals die Post war.

Lindhorst hat das Gebäude der Gastwirtschaft dann abgerissen und an der Bremer- und Bassumer Straße entlang neu erbaut, von welchem der südliche Flügel an die Post verpachtet wurde.

lindhorst

Die Eisenbahn löst die Postkutsche ab

Mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes in unserem Raum näherte sich die Zeit der Postkutschen dem Ende. Im Mai 1873 wurde die Stecke von Osnabrück nach Bremen in Betrieb genommen. Damit wurden die Fahrposten von Bremen in Richtung Syke und Bassum und umgekehrt eingestellt. Die Posthalter mußten Pferde und Kutschen verkaufen. Die Fahrten von Brinkum nach Harpstedt hörten auf, weil Harpstedt jetzt von Bassum bedient wurde. Die Zeit der durchgehenden Posten war vorbei. Brinkum bekam die Post von Bremen. Wahrscheinlich fand auch in Kirchweyhe ein Postaustausch statt, denn Marga Goihl geb. Stahmann berichtete, daß ihr Großvater als einer der Letzten die Postkutsche zwischen Brinkum und Kirchweyhe gefahren habe.

anzeigenDie Posthalter mußten Pferde und Kutschen verkaufen.
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stahmann-kConrad Stahmann war einer der letzten „Postillione“, die mit der Postkutsche nach Kirchweyhe fuhren.
Die letzte Kutsche nach Bremen wurde von Johann Kleemeyer gefahren. Er war aber nicht bei der Post, sondern beim Verpächter der Post Lindhorst angestellt. Der stellte zwei Kutschen zur Verfügung, eine Vier- und eine Acht- Personenkutsche, die je nach Bedarf eingesetzt wurden. In der Regel wurde einmal morgens und einmal nachmittags gefahren. Die Post wurde in Bremen beim Postamt am Buntentorsteinweg, dem späteren Postamt 6, ausgetauscht. Gegenüber war eine Ausspannwirtschaft.

Johann Kleemeyer, der auch Jan Post genannt wurde, nutzte die Wartezeiten, um für die Brinkumer einzukaufen. Nicht selten mußte er, besonders für die Damen, tätig werden. „Jan bringt mi en Kleed mit.“ Oder „Jan bringst mi en Hoot mit.“ Baten sie. Er erledigte alles zur vollsten Zufriedenheit seiner Kunden. Als er 1910 heiratete, wurde die Hochzeit mit 300 Personen gefeiert.

ausspannDie Brinkumer Postkutsche vor der Ausspannwirtschaft am Buntentorsteinweg in Bremen.
Ab Oktober 1910 wurde die Post- und Personenbeförderung von der Kleinbahn Bremen – Thedinghausen übernommen. Bei der Jungfernfahrt waren die Regierungsvertreter von Bremen, Oldenburg, Hannover (Preußen) und Braunschweig dabei, also der Länder, durch die die Strecke führte. In Brinkum, der ersten preußischen Station, sangen Kinder unter Leitung von Kantor Voshage ein Begrüßungslied. Danach hielt der Gemeindevorsteher Kirchhoff eine Ansprache, die mit einem drei-fachen Hoch auf seine Majestät dem Kaiser endete.

Gleich hinter der Lokomotive hing der Postwagen. Vor dem Ersten Weltkrieg hatten zwei Züge Schaffnerbahnposten und ein dritter beförderte nur Briefbeutel. Im Kriege wurde dann eine Schaffnerbahnpost eingestellt.

Die Post mußte jetzt per Handkarren von und zum Zuge befördert werden. Dies war bei schlechtem Wetter und großen Lasten oft sehr beschwerlich, zumal die Zeit immer knapp war.
karrenDie Post mußte per Handkarren von und zum Zuge befördert werden.postkarteTagesspempelabdruck der Bahnpost Bremen-Thedinghausen, Zug 887, vom 23.07.1914

Bahnhof
Bahnhof

Am Kleinbahnhof Brinkum wurde die Post ausgetauscht.Ich erinnere mich, daß der gelbe Karren noch lange, nachdem die Bahnpostzeit vorbei war, hinter dem Postamt stand.

Außer mit den Postämtern Brinkum und Thedinghausen, fand ein Postaustausch mit den Postagenturen Huchting, Stuhr, Leeste, Riede/Emtinghausen statt.

Im Bahnpostwagen, der mit einem Postschaffner besetzt war, wurde Briefpost sortiert und gestempelt. Eine Rüboellampe hing neben dem Verteilschrank und spendete schwaches Licht. (Elektrisches Licht wurde erst 1926 installiert). Als der Postschaffner Brünjes einmal bei Dienstschluß die Oellampe löschte, fiel, von ihm unbemerkt, ein Stück von dem noch glühenden Docht auf die Vorbindezettel im Verteilfach. Nachdem er den Wagen verlassen und abgeschlossen hatte, entzündeten sich die Zettel und schon brannte der Verteilschrank und die Wagendecke. Eisenbahner bemerkten zum Glück das Feuer, zerschlugen eine Fensterscheibe, stiegen in den Wagen und löschten den Brand. Leester Handwerker reparierten den Schaden. Die Rechnungen mußte die Post bezahlen.

Dieser Schaden sollte aber nicht der einzige bleiben, denn am 01.06.1912 ereignete sich ein „schweres Eisenbahnunglück“. Kurz vor dem Bahnhof Erichshof, in der Kurve hinter dem Grundstück Hannover, Am Kalberkamp, hatte jemand eine Schraube in eine Gleisfuge gesteckt und den Zug zum Entgleisen gebracht. Die Lokomotive und der Bahnpostwagen lagen neben dem Bahndamm; zwei weitere Wagen entgleisten zwar, blieben aber stehen. Während der Lokomotivführer und der Heizer mit dem bloßen Schrecken davonkamen, erlitt der Bahnpostschaffner Mackeben eine Gehirnerschütterung. Zwei Ärzte aus Brinkum waren gleich zur Stelle und bemühten sich um den Bewußtlosen. Er erholte sich bald wieder, so daß er um 16 Uhr nach Bremen weiterfahren konnte. Im Frauenabteil des nächsten Wagens erlitten eine Frau und ein Kind leichtere Verletzungen.unglueckDiese Skizze wurde von einem Reporter der Zeitung nach obigem Foto angefertigt.Mit der Eröffnung der Bahnstecke Delmenhorst – Harpstedt wurde die Postverbindung von Brinkum nach Heiligenrode aufgehoben.

Schon 1883 war beim derzeitigen Gemeindevorsteher Buschmann in Heiligenrode eine Posthilfsstelle eingerichtet worden, die im nächsten Jahr zu einer Postagentur erhoben wurde. Nachdem bis dahin der Landbriefträger des Kaiserlichen Postamts Brinkum bei seinem täglichen Zustellgang die postalischen Geschäfte und das Leeren des Briefkastens bei Kaufmann Wührmann erledigt hatte, konnten diese jetzt in der Postagentur abgewickelt werden.

Folgender Beitrag stand am 08.06.1912 in der Brinkumer Zeitung unter Heiligenrode:

„Durch die Einweihung der neuen Bahn ist die Postverbindung mit Brinkum aufgehoben. Die hiesige Postagentur wurde dem Postamte in Harpstedt unterstellt. Das Alte stürzt; es ändern sich die Zeiten.

Unser alter Postwagen, der seit 1884 die Postsendungen zwischen Heiligenrode und Brinkum befördert hatte, trat am Mittwoch seine letzte Reise an. Um 4 ½ Uhr verließ er unter den Klängen: „Weh, daß wir scheiden müssen und muß ich denn zum Städtelein hinaus, unseren Ort. Das war ein feierlicher Augenblick. Ein zahlreiches Publikum hatte sich eingefunden, um unserem Postboten A. Lemmermann ein herzliches Lebewohl zuzurufen. Postwagen und Roß waren herrlich dekoriert. Den Postboten zierten zwei große Kränze aus Eichenlaub. Seine hiesigen Kollegen ließen es sich nicht nehmen, ihrem Kamerden bis Brinkum das Geleit zu geben.heiligenDie letzte Postkutsche in HeiligenrodeWährend des ersten Weltkrieges gab es beim Posteingang Unregelmäßigkeiten. Die Post kam des öfteren statt um 8.13 Uhr um 14.45 Uhr in Brinkum an. Das führte zu Beschwerden von Seiten der Zeitung, denn die Nachrichten für die amtlichen Mitteilungen kamen zu spät, um am nächsten Tag veröffentlicht zu werden. Der Herausgeber, Herr Schwiefert, schrieb an die Kaiserliche Oberpostdirektion in Bremen und bat „ergebenst“ um wohlwollende Überprüfung und Abstellung der Verspätungen.

Es stellte sich heraus, daß die Ursache der Verspätungen im Transport der Post vom Postamt Bremen 5 zum Neustadts Bahnhof, von wo die Kleinbahn abfuhr, lag. Die Fuhrunternehmer hatten wohl zu wenig oder zu schlechte Pferde (die guten waren zum Kriegsdienst eingezogen worden). Jedenfalls meldete das Postamt 5, daß Wagen statt mit zwei Pferden nur mit einem bespannt waren. Sie verweigerten auf dem Weg durch die Neustadt immer wieder ihren Dienst und fielen manchmal einfach um.

Der Brinkumer Postmeister Sürie schlug daher vor, die Post vom Postamt 5 zum Neustadts-Bahnhof mit der Eisenbahn zu befördern, damit die in Brinkum eingehende Post noch am gleichen Tage zugestellt werden könne, welches sonst nur für die Ortszustellung möglich war.

Ab Herbst 1922 ließ die Kleinbahn an Sonn- und Feiertagen keine Züge mehr verkehren. Damit das Postamt Brinkum an diesen Tagen nicht ohne Post war, mußte ein Bediensteter mit dem Fahrrad zur Endstation der Straßenbahn am Arsterdamm fahren, um dort einen Briefbeutel abzuholen, den die Straßenbahn vom Postamt 5 mitgebracht hatte.

Nachdem 1881 in Berlin die erste Telefonverbindung eingerichtet worden war, begann ein zügiger Aufbau von Fernsprechnetzen, und so wurden zunächst in unserem Gebiet die Postanstalten durch eine Sprechleitung miteinander verbunden. Bei den Postämtern und Postagenturen wurden die ersten Handvermittlungsstellen eingerichtet.

Hinweis in der Brinkumer Zeitung im Jahre 1913zelleSchumacher richtete in seinem Laden eine Fernsprechzelle ein.

Bei der Post mußte der Klappenschrank bedient werden. 1924/25 wurde dieser Betrieb von 20 auf 50 Teilnehmer erweitert. Auf einer sogenannten Schnellverkehrsleitung konnte man nun Tag und Nacht telefonieren. Einige Jahre später wurde dann ein Selbstwählamt gebaut und zwar in der oberen Etage des Postamts, wo auch der Telegrafenleitungsaufseher seine Wohnung bekam. Diese Räume gehörten zur ehemaligen Postmeisterwohnung.

Das Auto übernimmt die Personen- und Postbeförderung

Die Post eröffnete 1925 eine Personen – Kraftpostlinie von Bremen – Arsterdamm über Brinkum nach Leeste (vorübergehend bis Syke). Sie löste 1937 die Wolterslinie Bremen – Brinkum ab und wurde im selben Jahr bis zur Stadtmitte verlängert. 1939 verkehrten werktags 12 und sonntags bis zu 18 Fahrtenpaare. Der Krieg brachte starke Einschränkungen. Die Busse fuhren nur bis Arsterdamm. Der Sonntagsdienst fiel ganz aus. 1947 wurde wieder werktags mit 11 und sonntags mit 6 Fahrtenpaaren begonnen.

Im November 1925 sollte, statt mit der Bahnpost, die Post im geschlossenen Wagenabteil befördert werden. Der Bahnpostschaffner wäre damit überflüssig geworden. Da aber vom Verlagspostamt Brinkum an den letzten 3 Tagen jeder Woche die Säcke mit dem „Reichsmechaniker“, der bei der Firma Hillje gedruckt wurde, versandt werden mußten, führte dies jetzt bei der Kleinbahn zu Schwierigkeiten. Daher sollte die Personenkraftpost
tabbertVon links nach rechts: W. Tabbert, Schalterbeamter, Huthoff (sitzend), H. Röpke, H. Kniemeer, H. Wienken.

Fräulein Voshage erinnert sich:

Willy Tabbert war in seiner Jugend „Alter Kämpfer“ der Nazis gewesen. Nach 1933 sollte er den Lohn dafür bekommen. Doch er weigerte sich standhaft und lehnte jede Beförderung ab. Einmal wurde er gehänselt: „Du Willy, der Apotheker will jetzt den Völkischen Beobachter bestellen; wir haben zu ihm gesagt, du erwartest das.“ Da wurde er zornig. „Wie kann ein so gebildeter Mann wie der Apotheker sich von einem kleinen Briefträger vorschreiben lassen, was er lesen soll?“ Sofort wollte er zu ihm und ihm die Bestellung ausreden. – Die Sache war ein Scherz. Doch man erkannte daran seine Gesinnung.

Als sich Ende 1944 die Russen der Oder näherten, ertrug er es zu Hause nicht mehr und meldete sich 48-jährig freiwillig an die Front: In Brandenburg, wo auch seine Heimatstadt Neuruppin steht, wurde er vermißt. Er hinterließ eine Frau und drei Kinder.

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Auf dem linken Bild Heinrich Röpke vor dem Kriege in der Gr. Mühlenstraße als Briefträger. Rechts als Buskassierer vor dem Bremer Hauptbahnhof. Das weiße Hemd hatte er schon angezogen, weil er nach Dienstschluß kellnerte. Links daneben Heinrich Hinners.

Heinrich Kniemeyer war ein postalisches Urgestein Brinkums. Er war über vierzig Jahre zunächst als Zusteller und nach dem Kriege als Schalterbeamter tätig.

In seiner Freizeit schaffte er in seinem großen Garten. Nach dem Kriege versorgte er die Kantine des Postamts 5 mit frischem Gemüse.
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Zum Bild auf der Vorderseite: Huthoff (sitzend) war Zweigamtsvorsteher. Er war Deutscher Kegelmeister und verbrachte jede freie Minute in Försters Kegelbahn beim Training.
Hans Wienken (rechts) war Telegraphenleitungsaufseher und wohnte oben im Postamt.

post30Das Postamt in den Dreißiger Jahren
foerstersFörsters Hotel (ehem. Lindhorst)
dienstplan
dieselben mitnehmen. Postmeister Sürie lehnte dieses jedoch ab, weil die Personenkraftpost nur bis Arsterdamm ging und eine Leitung der Säcke über Syke, wegen Wegfalls der Teilstrecke Leeste – Syke, nicht möglich sei, ganz abgesehen davon, daß die Personenkraftpost für die Beförderng von 100 Zeitungssäcken nicht geeignet sei. Er beantragte daher, von einer Umwandlung der Bahnpost abzusehen. Der Bahnpostschaffner werde beim Verladen der Zeitungssäcke dringend benötigt.

All diese Schwierigkeiten waren vorbei, als 1928 die sogenannte „Landverkraftung“ durchgeführt wurde, so daß die Sendungen morgens mit der Landkraftpost gebracht und abends geholt wurden. Das Postamt Brinkum war jetzt ein Zweigpostamt des Postamts Bremen 5. Beschäftigt wurden 6 Vollkräfte (1 Telegrafenleitungsaufseher, 1 Zweigpostamtsvorsteher, 2 Ortszusteller und 1 Landzusteller für Erichshof und Hörden.

Am 01.06.1940 wurde wegen der kurz vor dem Kriege erbauten Siedlungshäuser eine Aushilfskraft für 11 Stunden genehmigt. Im Laufe des Krieges erhöhte sich die Stundenzahl wegen der in Brinkum stationierten FLAK – Einheiten auf 33. Der Dienst mußte jetzt überwiegend von Frauen und wehrdienstuntauglichen Männern verrichtet werden.

Nach Einmarsch der Engländer im April 1945 wurden als Vergeltung für den Widerstand der SS in Brinkum alle wichtig erscheinenden Gebäude durch Flammenwerfer in Brand gesteckt. Försters Hotel und mit ihm auch das Postamt wurden total zerstört.

Wochenlang ruhte der Betrieb völlig, bis die Post im Juni 1945 eine Notunterkunft in Gefkens Gasthaus an der Syker Straße erhielt.
post451945 wurde das Postamt bei Einmarsch der Engländer völlig zerstört.

gefkensDie Post bekam eine Notunterkunft in Gefkens Gasthaus.

Die Suche nach einem geeigneten Gebäude hatte ein Ende, als der bisherige Verpächter Fritz Förster bereit war, das neben dem ausgebrannten Hotel und Postamt liegende kleine Gebäude nach den Plänen der Post auszubauen. Neben dem Postamt sollte auch das Wählamt dort Platz finden.

Am 01.09.1946 wurden die neuen Diensträume bezogen. Das war nun das dritte Domizil auf dem ehemaligen Freisassenhof.

Durch die beiden in Brinkum erscheinenden Zeitungen „Das Verordnungsblatt für den Kreis Grafschaft Hoya“ und „Der Mechaniker“ erwuchsen dem Zweigpostamt Brinkum Mehrarbeiten durch Verpacken dieser Zeitungen. Daher wurde eine Kraft für den Innendienst genehmigt. Der Dienstposten des Telegr.-Leitungsaufsehers wurde jetzt zum Fernsprechamt abgegeben. In Brinkum wurden 6 Dienstposten geführt.

heiniHeinrich Thiele und Friedrich Lüllmann vor Beginn der Zustellfahrt.

 

post461946 wurde das neue Postamt an der Bassumer Straße 151 bezogen.
post56Das neuerbaute Postamt an der Bremer Str. 2

Nachdem das bisherige Postamt für den wachsenden Postverkehr nicht mehr groß genug war, wurde auf der gegenüberliegenden Straßenseite, auf dem Grundstück G. Lohmann, ein neues Postamt gebaut. Die Eröffnung war am 11. April 1956.

In dem Neubau befanden sich außer den Räumen für die Vermittlungsstelle Brinkum noch eine Wohnung für den Zweigpostamtsvorsteher sowie für den Telegrafenleitungsaufseher.

Nach Inbetriebnahme der neuen Diensträume wurde der Gemeinde Brinkum ein modernes Postamt mit neuzeitlichen Einrichtungen zur Verfügung gestellt, welches aus damaliger Sicht auf lange Zeit allen Anforderungen gerecht werden sollte..
verkehr
kutsche

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Mit einem Sonderstempel und einer historischen Postkutsche war das Postamt Brinkum an der 900-Jahr-Feier beteiligt.

Das Gebäude hatte der Bauunternehmer Oetken aus Oldenburg erbaut und an die Post vermietet.

Vor dem Hause wurde eine Auffahrt für die in Richtung Bremen verkehrenden Postomnibusse geschaffen.

Die Einwohnerzahl im Postamtsbereich (mit Erichshof und Hörden) erhöht sich von 1950 bis 1960 von 2 500 auf 5 700, dementsprechend wuchs der Personalbestand von 6 auf 9 Kräfte an.

1963 Die Oberpostdirektion war damit einverstanden, daß der Ortsteil Brinkum-Nord, welcher bis dahin vom Postamt Bremen 1 bedient wurde, wieder in den Zustellbereich des Postamtes Brinkum einbezogen wurde und daß künftig auch die Briefkastenleerung und – soweit möglich – auch die Telegramm- und Eilzustellung in Brinkum sowie die Vereinigte Brief- und Paketzustellung in Brinkum-Nord motorisiert wurden. Es wurde ein VW-Transporter eingesetzt und in Brinkum stationiert.

Als Folge der Gemeindereform hatte auch die Deutsche Bundespost die Organisation ihres Amtsstellen- und Zustelldienstes den neuen Gegebenheiten anzupassen. Im Raume der Einheitsgemeinde Stuhr (Postleitzahl 2805) wurde die Umorganisation am 1. Oktober 1975 vollzogen. Von diesem Zeitpunkt an wurden die Zusteller der Poststelle Heiligenrode von Brinkum aus eingesetzt.
brieftraegerMorgens hinter dem Postamt an der Bremer Straße. (von l. M. Bartsch, J. Schröder, J. Koch, Fr. Lüllmann)

post80Das neue Postamt an der Bassumer Str./Melcherstätte

Da die Vermittlungsstelle ins neuerbaute Dienstgebäude an der Syker Straße -Ecke Rönnekenstraße- umgezogen war, wurden die leergewordenen Räume jetzt für den gewachsenen Raumbedarf als Eingangs- und Zustellraum genutzt. Allerdings mußte der gesamte Posteingang die Treppe hinaufgetragen werden.

Trotz des Raumgewinns reichte der Platz für das gesteigerte Verkehrsaufkommen nicht mehr aus. Ein Neubau wurde geplant. Nachdem in der Ortsmitte kein geeignetes Grundstück zu finden war, entschloß man sich, an der Bassumer Straße/Melcherstätte zu bauen. Am 4. September 1978 wurde mit den Arbeiten zum Neubau begonnen und am 19. Mai 1980 das neue Postamt seiner Bestimmung übergeben.

Nach einer gegenüber 1950 zehnfachen Steigerung der im Brinkumer Postamt jährlich zu bearbeitenden 2,2 Millionen Sendungen wurde die Vergrößerung der Amtsräume unbedingt erforderlich.

Das neue Haus wurde als zentrales Posteingangsamt der Gemeinde Stuhr gebaut. Täglich verteilten von Brinkum aus vier Paketzusteller und 18 Briefzusteller, acht davon motorisiert, die Post in alle Ortsteile der Gemeinde. Lediglich bei Postamt Stuhr 2 (Alt Stuhr) und Stuhr 4 (Varrel) verblieb die Brief- und Landzustellung. – Am Schalter waren bis zu drei Beamte tätig. Mit der neuen Postfachanlage standen jetzt 204 Fächer zur Verfügung, während es bisher nur die Hälfte waren.

Die Leiter der Brinkumer Post

Auf die Amtsbezeichnung soll hier verzichtet werden, da sie sich im Laufe der Zeit vom Postspediteur, Postmeister, Postamtsvorsteher, Zweigpostamtsvorsteher, Postverwalter bis hin zum heutigen Betriebsleiter ständig änderte.

Der letzte bekannte Postmeister in der ersten Post (vor 1871) hieß Busch und wurde von den Leuten ohnehin nur Legemeister genannt, weil er auch die Leinenlege wahrnahm.

August Sürie leitete das Postamt während des Ersten Weltkrieges bis in die zwanziger Jahre hinein. Er wohnte in der Dienstwohnung über der Post.

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August Sürie mit Ehefrau, die eine Schwester des Essig- fabrikanten Lohmann war.
Er wurde von Sebers abgelöst.

Dessen Nachfolger Huthoff war schon Zweigpostamtsvorsteher und wurde vom Postamt 5 eingesetzt.

Danach kam Fischer. Er wurde 1941 zur Feldpost eingezogen und bis 1944 von Christian Ahrens vertreten. Als auch der Soldat wurde, übernahm Elisabeth Voshage das Amt. Sie hatte die schwere Zeit der letzten Kriegsjahre und den Neubeginn nach 1945 zu meistern. Als sie sich 1955 nach Bremen versetzen ließ,

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Elisabeth Voshage im Fenster des Postamts (vor1945)
löste Karl Gutjahr sie ab. Nach Fertigstellung des neuen Dienstgebäudes bezog er mit seiner Familie die Wohnung über dem Postamt. Mit seiner Familie bestand ein besonders herzliches Verhältnis. Nicht selten versorgte Frau Gutjahr uns Postler mit Erfrischungen und warmen Getränken. Tochter Ursel half nach der Schule oft in der Post. Manche Stunde saß sie am großen Tisch und wirkte mit, wenn der „Mechaniker“ verpackt wurde.

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Karl Gutjahr
Nach Gutjahrs Pensionierung 1972, kam zunächst für kurze Zeit R. Kempker, der dann von Fr. Schmidt abgelöst wurde. Er leitete das Amt, mit ca. einjähriger Unterbrechung durch M. Wenzel, bis 1976. In seine Zeit fiel die Gemeindereform und die Auflösung der Zustellung in Heiligenrode.

Sein Nachfolger H. Sander mußte u.a. den Umzug zur Melcherstätte und den Neuanfang dort organisieren.

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Helmut Sander
Seit 1980 ist H. Maeser Leiter der Post in Brinkum.

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Herbert Maeser

 

 

 

 

Zeittafel

 

1608 Vertrag wegen einer regelmäßigen Botenpost zwischen Bremen und Braunschweig
1676 Der Bremer Bürger Daniel Koch errichtet eine erste Fahrpost zwischen Bremen und Braunscchweig.
1699 Der Brinkumer Zoll verweigert der preußischen Post die Durchfahrt.
1736 Im Kurfürstentum Hannover wird das Postwesen allgemein verstaatlicht und erste Postspeditionen eingerichtet.
1775 Lt. „Staats – Calender“ verkehrt die Fahrende Post montags und freitags in Richtung Bremen und dienstags und samstags in Richtung Hannover.
1829 Neuanlage und Pflasterung des neuen „Postweges nach Syke“ (Syker Straße), welcher bisher über die heutige Mühlenstraße führte.
1833 Einrichtung einer Hannoverschen Postspedition.
1846 Die Posten von Hannover fahren wieder direkt nach Bremen. (Ende des Postkrieges).
1848 Bekanntgabe einer Fahrplanänderung. Inzwischen fahren die Posten täglich Richtung Hannover und Bremen (wahrscheinlich auch Richtung Osnabrück).
1866 Nach dem Deutschen Krieg wird Hannover Preußische Provinz, somit wird die Königlich Hannoversche Postspedition in eine Königlich Preußische umgewandelt.
1868 Der Norddeutsche Bund führt in seinem Bereich ein einheitliches Postgesetz ein. Das Porto für einen einfachen Brief beträgt einen Silbergroschen.
1869 Beginn der planmäßigen Einstellung von Landzustellern.
1871 Reichsgründung und Neugliederung der Reichspost. Brinkum wird der Oberpostdirektion Bremen unterstellt und zum Kaiserlichen Postamt III. Klasse erhoben. Lindhorst reißt die, 1866 von Schweers gekaufte, Gastwirtschaft ab und errichtet entlang der Bremer- und Bassumer Straße eine neue. Der südliche Flügel wird an die Post verpachtet.
1873 Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke von Osnabrück nach Bremen. Einstellung der Fahrposten in Richtung Hannover und Osnabrück. Die Fahrten von Brinkum nach Harpstedt hören auf.
1883 Einrichtung einer Posthilfsstelle in Heiligenrode.
1910 Eröffnung der Kleinbahn Bremen – Thedinghausen und damit Einstellung der Postkutschen-Fahrten nach Bremen.
1912 Eröffnung der Bahnstrecke Delmenhorst – Harpstedt. Heiligenrode wird Harpstedt unterstellt. Die Postkutschenverbindung mit Brinkum wird aufgehoben.
1912 Eisenbahnunglück in Erichshof. Lokomotive und Bahnpostwagen entgleisen. Der Bahnpostschaffner erleidet eine Gehirnerschütterung.
1913 Heinrich Schumacher richtet in seinem Laden eine Fernsprechzelle ein.
1917 Verspätung beim Posteingang wegen Pferdemangels in Bremen.
1922 Sonntags muß jetzt ein Briefbeutel von der Endstation der Straßenbahn geholt werden.
1924 Im Fernsprechdienst wird der Betrieb von 20 auf 50 Teilnehmer erweitert.
1925 Die Post eröffnet eine Omnibuslinie von Bremen- Arsterdamm bis Leeste (vorübergehend bis Syke).
1928 Die „Landverkraftung“ wird durchgeführt. Die Postbeförderung mit der Kleinbahn hört auf.
1937 Die Wolterslinie Bremen – Brinkum wird von der Post übernommen und bis zur Stadtmitte verlängert.
1939 Auf der Postbuslinie verkehren jetzt werktags 12 und sonntags bis zu 18 Fahrtenpaare.
1940 Wegen der kurz vor dem Krieg erbauten Siedlungshäuser wird für die Zustellung eine Teilkraft genehmigt.
1945 Das Postamt wird bei den Kampfhandlungen von den Engländern eingeäschert. – Notunterkunft in Gefkens Gasthaus.
1946 Auf Försters Grundstück werden die nach den Plänen der Post ausgebauten neuen Diensträume bezogen.
1956 Das neue Postamt auf der gegenüberliegenden Straßenseite wird bezogen.
1960 Der Personalbestand ist auf 9 Kräfte angewachsen.
1963 Einsatz eines VW-Transporters. Brinkum-Nord wird in denZustellbereich einbezogen.
1970 Die Landzustellung Erichshof-Hörden wird an Leeste abgegeben.
1975 Gemeindereform: Brinkum bekommt die Bezeichnung 2805 Stuhr 1. Die Zusteller der Poststelle Heiligenrode werden von Brinkum aus eingesetzt.
1980 Das neue Postamt an der Bassumer Straße / Melcherstätte wird seiner Bestimmung übergeben.

Quellen- und Literaturnachweis

Hüchting, C.H.     Zwei adelige Höfe in Brinkum und Aufblühen von Handel und Wandel in „900 Jahre Brinkum“.

Löbert, W.     Heiligenrode in neuerer Zeit in „Heiligenrode1182 – 1982“, Festschrift zur 800 – Jahr -Feier.

Meyer, W.     Eisenbahnen im Landkreis Diepholz.

Paetzold, Fr.     Die Entwicklung Brinkums vom Bauerndorfzur Großstadt-Randgemeinde in „900 JahreBrinkum“.

Paul, A.     Verkehrswesen in „Syker Heimatbuch“.

Peters, H.     Altes Handwerk und Bäuerliches Brauchtum.Akten des Staatsarchivs Bremen.

Akten des Postamts 5 in Bremen.
Artikel der Kreiszeitung.
Auskünfte von:     Marga Goihl, Gisela Schäfer, Elisabeth Voshage, Heinrich Lehmkuhl, Johann Dahnken, Bruno Panten.Bilder und UrkundenGemeindearchiv Stuhr

„900 Jahre Brinkum“, C.H. Hüchting

„Heiligenrode 1182 – 1982“, K. Pöpel

„Brinkum – Bilder von Gestern und Heute“, H. Rauschert

„Eisenbahnen im Landkreis Diepholz“, W. Meyer

M.Goihl, U. Gutjahr, R. Kohz, Kreiszeitung, I. Lohmann, M.Preuß, E. Voshage

Federzeichnungen, H. Schröder