Das Gut Varrel und sein Förderverein

Zusammengestellt von Jürgen Timm 30.01.2004

Die Geschichte des Gutes Varrel hat etwas zu tun mit einem Kaiser, einem Herzog, Bremer Erzbischöfen, einem Makler aus Mackenstedt und Oldenburger Grafen.
Kaiser Friedrich I., Barbarossa, hatte einen Lehnsmann, den Sachsenherzog Heinrich den Löwen von Bayern und Sachsen.
Heinrich machte mit dem Erzbischof Balduin von Bremen, der zugleich Landesherr von „Heinrichs Gnaden“ war, 1171 einen Vertrag zur Besiedlung von Stuhr.
In den Diensten des Erzbischofs und von Heinrich dem Löwen stand der Ritter Friedrich von Mackenstedt, dessen Familie dem sogenannten Landadel angehörte.
Der Vertrag vom 8. August 1171 berechtigte Friedrich von Mackenstedt, den Bruch zwischen Brinkum, Mackenstedt und Huchting nach Hollerrecht zu verkaufen und zu übertragen.
Friedrich war also der erste Makler von Stuhr.
Als Heinrich der Löwe seinem Lehnsherrn, dem Kaiser Barbarossa die Beistellung von Truppen für dessen Kriege in Italien verweigerte, wurde er kurzerhand 1180 als Herzog abgesetzt.
Damit hatte auch Friedrich von Mackenstedt ein politisches Problem. Er wollte natürlich seine Vertragsrechte von 1171 beim neuen Erzbischof Siegfried von Bremen sichern.
Er diente sich dem Erzbischof also mit einer besonderen Leistung an: Er stiftete 1182 das Benediktinerkloster in Heiligenrode.
Nach Herzog Heinrichs Sturz kamen die Oldenburger und Delmenhorster Grafen mehr und mehr ins Spiel, auch wenn die Erzbischöfe von Bremen noch lange die Lehnsherrschaft über Stuhr hatten, bis 1531 die oldenburgische Reichsunmittelbarkeit erklärt wurde.

Übersetzung einer Urkunde aus dem Jahre 1289.

Die Geschichte des Gutes Varrel ist unmittelbar mit dem Kloster Heiligenrode und Graf Otto IV. von Oldenburg verbunden.
1381 erhielt das Kloster von Graf Otto die Erlaubnis, „…in der Einöde, genannt Stelle und Verlebrinc (Varrel)…“ zu siedeln.
So entstand der Ort Varrel und das Klostergut Varrel, das weitgehende Privilegien genoß und von Klostermeiern bewirtschaftet wurde.
Die Äbtissin des Klosters hatte noch 1540 durch einen Schutzbrief des Kaisers den materiellen Klosterbesitz bewahren können. 1581 aber nahm Graf Anton I. von Oldenburg Besitz vom Klostergut Varrel durch Enteignung ohne Entschädigung (Säkularisierung).
Von da ab war das ehemalige Klostergut ein gräfliches Gut, das von Meiern, Verwaltern, bewirtschaftet wurde.
1606 ließ Graf Anton den Klosterbach (Mühlenbach oder Mühlenbäke; heute Varreler Bäke) aufstauen und eine wasserradbetriebene Kupfermühle bauen.
1655 verkaufte Graf Anton Günther von Oldenburg das Gut an den Kupferschmiedemeister Berndt Pundt “ … wegen des in den langwierigen betrübten Kriegswesen erlittenen Schadens und wegen seiner und seines seeligen Vaters dem Hause Oldenburg erwiesenen großen Treue und Dienste… „.
Berndt Pundt war also der erste bürgerliche Eigentümer des Gutes Varrel.

1976 kaufte die Gemeinde Stuhr das Gut Varrel von der Witwe Dora Meyer, deren Mann Friedrich als letzter Landwirt auf dem Gut am 23. Februar 1973 verstorben war.
Die Gemeinde Stuhr wollte das Gut erhalten, restaurieren und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.
In Varrel hatten sich vorher unter der Führung von Heinz Düßmann engagierte Bürger gegen den Verfall und die Ausraubung der Gutsanlage gestemmt.
1978 schlossen sich im Februar die örtlichen Vereine mit ihrem Initiator Gottfried Böttger zu einer Arbeitsgemeinschaft zur Rettung des Gutes zusammen.
Daraufhin wurde von der Gemeinde Stuhr 1979 eine besondere Arbeitsgruppe „Gut Varrel“ gebildet, zu der auch Vertreter des sich gerade gründenden Fördervereins „Gut Varrel“ gehörten.
Am 9. Juli 1980 wurde der Förderverein „Gut Varrel“ aus der Taufe gehoben.
Er hat sich zum Ziel gesetzt, durch viel Initiative und Eigenleistung die historischen, kulturellen und ländlichen Brauchtumswerte der Gutsanlage und seiner Umgebung zu erhalten und zu pflegen.

Der Förderverein hat am 24. März 1982 mit der Gemeinde Stuhr einen Vertrag über die Nutzung der großen Gutsscheune als Mehrzweckraum zur sportlichen und kulturellen Nutzung abgeschlossen.
Seit dieser Zeit finden regelmäßig kulturelle Veranstaltungen vom klassischen Konzert bis zur Folklore, vom Jazzfrühschoppen bis zum Chorkonzert in Gutsscheune statt.
Ein besonderes Ereignis ist jedes Jahr das Sommerfest des Fördervereins mit bis zu 70 Hobbykünstlern, Musik und ländlichem Handwerk.

Inzwischen hat der Förderverein die Wirtschafträume der Gutsscheune und viele Räume der alten Wassermühle ausgebaut, eine 300 Jahre alte Fachwerkscheune, eine neue Wagenremise und einen mehrere hundert Jahre alten Speicher als Backhaus wieder errichtet.
Das Gut Varrel ist zu einem zentralen kulturellen Kleinod der Gemeinde Stuhr und ihrer Nachbarn geworden!