Wohnhaus Stuhrer Landstraße 31

Text: Hermann Kranz
Fotos: Rainer Mewe

Direkt gegenüber dem Kircheneingang befindet sich ein reetgedecktes Wohnhaus.

Das Haus wurde von der Familie Kranz 1970 gekauft.

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Es handelt sich um ein Niedersächisches Hallenhaus, Heuerlings-Haus, mit den ursprünglichen Abmaßen, 9,3 m x 11 m, und steht hochflutsicher auf einer Wurft.

Häuser dieser Art waren sogenannte „arme Leute-„, Landarbeiter-Häuser.

Es erfolgte 1847 der Anbau eines Kammerfaches, dazu wurde das Vollwalmdach verlängert, sodaß das Haus die heutigen Abmessungen von 9,3 x 15,3 m erhielt.

Beim Kauf war noch ein echtes Strohdach vorhanden und auf dem Dachboden lagerte noch ca. 4 Wagenladungen Roggen-Langstroh, was ich bis 1979 zum Ausstopfen der Löcher im Dach benutzte.

Das Alter des Hauses kann über die ursprüngliche Brandkassen Nr.29 auf ca. 350 Jahre eingeschätzt werden, das inzwischen abgerissene Nachbarhaus (Plump,reetgedeckt), hatte die Nr. 47 und war 180 Jahre alt.

Das Haus wurde zwischen 1970 und 2000 innen und außen vollständig restauriert und als Wohnhaus, den heutigen Wohnansprüchen gerecht, ausgebaut. Als original Außenwand ist nur die Giebelwand zur Straße hin vorhanden, die Seitenwände und die Giebelwand zum Hof wurde als Fachwerk-Konstruktion neu gebaut. Dazu habe ich einige alte Bauernhäuser, die abgerissen werden sollten, abgebaut und das Eichenfachwerk dazu verwandt. Die hintere Giebelwand ist als Schmuck-Giebel mit Zierknaggen, als Krüppelwalm ausgeführt.

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Die gesamte Fachung wurde mit handgeformten Feldbrandsteinen, die ich aus einer Zehntscheune der Domäne Hoya ausgebaut habe, ausgemauert. Das Haus ist dreischalich ausgebaut, eine äußere Fachwerkwand als Dekor-Wand, die alte Wand des Bauernhauses und eine neue Innenschalung mit entsprechender Isolierung, damit es für Wohnzwecke geeignet ist.

Der Innenausbau erfolgte so, daß der Haustyp (Niedersächisches Hallenhaus) mit der Ständerkonstruktion, voll ersichtlich ist. Die Hälfte des Hauses ist bis in den Giebel innen offen, mit einer Galerie in der Mitte des Hauses, sodaß man alle Ständer und Träger frei einsehen kann. Damit kann man die gesamte innere Fachwerk- und Hauskonstruktion erkennen.

Das Wohnzimmer vereint die ehemalige Diele, Kuhstall, Schweinestall, Flett und Wohnbereich und ist ca 80 m² groß. Das Haus hatte ursprünglich keinen Schornstein, war ein echtes Rauchhaus mit einer offenen Herdstelle, entsprechend waren die Dachsparren und das Stroh, pechschwarz voller Sud.

Das Dach ist 1979 durch ein Reetdach erneuert worden.

Im  Garten wurde eine Fachwerkscheune (1788), die in Mackenstedt abgebaut wurde, wieder aufgebaut.

Weiter gehört zur Hofanlage ein aus altem Eichenholz neugebautes Backhaus mit zwei Schmuckgiebeln, mit Zierknaggen vierfach vorgekröpft und eine Fachwerk-Laube.

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