Kreiszeitung vom 23.03.2005

Ausstellung im Bunker

Geschichtswerkstatt legte Schutzraum in Brinkum frei

BRINKUM (dr) · 14. April 1945. 20 Menschen kauern stundenlang in einem kleinen Erdbunker mitten in Brinkum, während die Häuser durch Artilleriefeuer in Schutt und Asche gelegt werden. Am 16. April ist alles vorbei, die Briten haben den Ort erobert.

Knapp 60 Jahre später – Ende des Jahres 2004 – wird der völlig zugewachsene Bunker auf dem Gelände des Schaumlöffelhauses vom Bewuchs befreit.

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Der Bunker im Garten des Schaumlöffelhauses.

Vor zwei Tagen begannen Mitglieder der Geschichtswerkstatt Brinkum nun damit, den Bunker instand zu setzen, damit er am Jahrestag der Eroberung Brinkums der Öffentlichkeit präsentiert werden kann.

Es muss beklemmend gewesen sein damals im Bunker der Familie Schaumlöffel. Die Familie und die nächsten Nachbarn hatten sich in dem zehn Quadratmeter großen Betonbunker versammelt, der durch eine schwere Eisentür verschlossen war.

Am 14. April hatte der Beschuss der Briten begonnen. Luftaufklärer hatten Flakmunition entdeckt, die zunächst auf dem Kirchengelände gelagert worden war. Daraufhin hatte die Wehrmacht das Waffenmaterial in das Gotteshaus geschafft, was dazu führte, dass die Briten das gesamte Gebäude in Schutt und Asche legten. Stück um Stück eroberten die Engländer den Ort, hatten es besonders auf den Mittelpunkt abgesehen. Die nahe Volksschule wurde allein schon 70 Mal getroffen. Das brennende Brinkum erweckte aus der Sicht Bremens den Eindruck, als ob es völlig vernichtet werde.

Dann, am 16. April, so hat die Leiterin der Geschichtswerkstatt Brinkum, Christa Schöningh von Zeitzeugen erfahren, sei es plötzlich ganz still gewesen. Die Engländer hätten an die Bunkertür geklopft und die Insassen herausgebeten. „Überall standen sie mit Gewehren.“

In den folgenden Jahren hatte die Familie Schaumlöffel an der Bremer Straße den Bunker als Lagerraum genutzt. Nun liegt das Betongebäude auf dem Gelände des Mehrgenerationenhauses, in dem am 15. April die Ausstellung „Die Stunde Null für Brinkum – der Tommy kam durch den Garten“ eröffnet wird.

Bis dahin wollen die Mitglieder der Geschichtswerkstatt den Bunker hergerichtet haben, denn an der Decke haben sich bereits Stalaktiten gebildet, der Raum ist verdreckt.

„Wir wollen möglichst alles so lassen, wie es damals war“, sagt Schöningh. „Der ‚Charme‘ des Bunkers soll erhalten bleiben“, aber zumindest ein wenig säubern müsste man das historische Gebäude schon, damit es dem interessierten Publikum gezeigt werden könnte.