WEIHNACHTSBAUMKAUF

Eine Geschichte von Johann Helms, den man in Brinkum unter „Balbo“ oder auch „Äppel-Helms“ kannte. Neben dem Obsthandel betrieb „Balbo“ auch den Verkauf von Weihnachtsbäumen, die Sie nach wie vor auf dem Pflanzenhof kaufen können. Mein lieber Freund Karl Gutjahr konnte diese Geschichte immer so glaubwürdig erzählen – und das ist sie auch.

Also: Frühzeitig fuhr Johann Helms über Land, um sich bei den Bauern nach guten Anpflanzungen umzusehen. Stets dabei sein „Makker“ Kreinert. Im Raume Vechta wurden sie fündig. Aber bevor sie den Erzeuger der Bäume besuchten, gab es eine sehr ernsthafte Unterhaltung unter vier Augen, wobei der Schalk in Johanns Nacken kaum zu übersehen war: „Hör mol to, Makker! Wenn wir jetzt den Bauern „interwiewen“, bist du der Chef und ich dein Makker.“
Nachdem die erstaunten Gesichtszüge wieder in normale Bahnen gelenkt waren, kam das: „Jo, Chef!“
Johann: „Dat heet nu nich, jo, Chef, sondern eenfach Jo!“
Makker: „Jo, Chef, man eenfach „Jo“. Jo, ick hebb dat begreepen!“
„So, und wenn wir dann „in Verhandlung“ sind, denn sechst du: „Buer, ick mut mol utpetten!“ Un denn bleefst du fief Minuten unsichtbor. Is dat klor?“ „Jo!“

Gesagt, getan: Der Bauer war das Handeln gewohnt, Kreinert harr sich von de Buersfro no’n Klo inwiesen loten und Johann (als Makker) sagt zum Bauern: „Du, Buer, hör mal to! Du mußt noch mit den Pries runner, denn nimmt mien Boss villicht alle.“ Das war ein Wort – der Bauer hatte dann nur einmal das Theater mit dem Absägen – und er machte einen guten Preis. Der angebliche Boss, nach einem zusagenden Augenzwinkern seines Makkers, schlug ein. Das Geschäft war perfekt.

Und nun kommt der „Hammer“. Auf der Heimfahrt sagt Balbo, nun wieder Chef, zu seinem ständigen Begleiter: „Du hest doch eben een prima Geschäft mookt, nich?“ „Jo, Chef!“
„Denn könnst Du doch eegentlich dat Eeten betalen!“

Ich habe in jedem Jahr bei Jihann meinen Baum gekauft. Er hatte an dem Pflanzenhof ein kleines Weihnachtsbaum-Verkaufs-Büro. Wenn der Kauf getätigt war, wurde der Zeigefinger von „Balbo“ in Bewegung gesetzt, was soviel hieß wie „Kumm rin!“ Dann gab’s einen Korn, und wie das so ist, kann man auf einem Bein nicht stehen, und nach „dreimal ist Bremer Recht“ mußte man das Weite suchen, sonst hätte es böse Folgen gehabt. Und so schmolz der so gewitzt schwer ausgehandelte Sonderverdienst von der Einkaufstour so langsam dahin.
Das waren noch Zeiten – aber irgendwo gibt es sie bestimmt heute noch!

Quelle:
Lieben Gott sein Bleistift
Karl-Heinz Meyer erzählt Geschichten aus Bremen und umzu (2001)
Druck: Rauschert Druck, Brinkum
Mit Genehmigung des Verfassers