Balbo und die Autobahnpolizei

Johann (Balbo) Helms war Obstgroßhändler und wurde in Brinkum und umzu auch „Appel-Helms“ genannt. Im Dezember handelte er dann noch saisonbedingt mit Weihnachtsbäumen. Und wenn man diese klein, also als Pflanztannen selber in die Erde steckt und Wurzeln schlagen lässt, so ist das anscheinend ein Geschäft.
Johann holte sich eines Tages eine Anhängerladung mit seinem Mercedes aus dem Alten Land, wo er ja bekannt war wie ein „bunter Hund“. In Oyten, kurz vorm Bremer Kreuz, wurde die Fahrt durch eine rote Kelle der Polizei abrupt unterbrochen und das Gespann auf den Autobahn-Parkplatz dirigiert. Die Herren in Grün setzten die weißen Uniformmützen auf und wurden somit zu Amtspersonen. Johann hatte durch ständiges Nuckeln an einer dicken Brasil das Wageninnere in einen Räucherschrank verwandelt. Die Herren klopften an die Seitenscheibe, Johann drehte sie herunter – die Beamten traten zwei Schritte zurück und konnten ihn nach kräftigem Wedeln mit den Händen endlich erkennen. Dann kamen sie zur Sache:
„Wissen Sie, dass Sie eine Zeitlang 100 gefahren sind? Und an Ihrem Anhänger steht doch klar und deutlich, dass mit Anhänger nur 80 erlaubt sind!“ Johann: „Jo, dat is doch ganz eenfach, miene Herren Hauptwachtmeisters, ick föhr nu mit 60 no Brinken un denn glieckt sick dat wedder ut!“
Die Beamten schüttelten sich vor Lachen und Johann war wieder einmal davongekommen.
Ob so etwas heute noch möglich wäre?

Quelle:
Lieben Gott sein Bleistift
Karl-Heinz Meyer erzählt Geschichten aus Bremen und umzu (2001)
Druck: Rauschert Druck, Brinkum
Mit Genehmigung des Verfassers