Der Schützenball

Januar, bitterkalt. Trotzdem findet der traditionelle Schützenball in Brinkum statt.
Vor etlichen Iahren ging man zu diesem Ereignis noch in „Gala“ oder, wie man auch sagt, man zieht das „Schaptüch“ an.
Die Herren natürlich in Schützenuniform. An der linken Brustseite viel „Blech“, d.h. Auszeichnungen und Erinnerungsnadeln. Und damit die Person, die dahintersteckt, keinen Linksdrall bekommt, trägt man, je nach Leistung, eine Schützenschnur – dann ist das Gleichgewicht gesichert.
Auch bei Familie Helms hieß es: „Mudder, mook di fein, wi willt no’n Ball!“
Also, die holde Ehefrau natürlich „in lang“, das hellblaue mit den dunkelblauen Blumen. Sehr chic. Dazu die passenden Schuhe und gute Laune. Endlich mal weg vom Alltagstrott. Man gönnt sich ja sonst nichts. Die beiden Töchter, inzwischen flügge, gingen auf den Swutsch.
Nach einigen Stunden im Dreivierteltakt und Amüsement Heimkehr im geraden Gang – Mudder fest an Vadder gedrückt. Vor der Haustür: Taschen leer, Hausschlüssel vergessen! Ersatzschlüssel an geheimer Stelle: weg. Die Deerns wollten wohl getrennt nach Hause kommen, was ihnen in dem Alter ja auch zusteht. Was tun? Erstmal aus der Kälte in die Garage. Nach einer Stunde zog die Kälte langsam von unten nach oben.
Johann hat die zündende Idee. Auf seinem Anwesen Bretter gesucht und gefunden und auf dem freien Platz, wo jetzt der Pflanzenhof etabliert ist, ein Feuer gemacht.
Und da saßen nun die beiden am Lagerfeuer nach englischer Art, als diese noch in Ermangelung einer Heizung auf den offenen Kamin angewiesen waren: vorne Sahara und hinten Lappland! Es hätte nur noch gefehlt, dass sie zu Ehren des Feuergottes rund um die Glut einen Tanz aufgeführt hätten. Eine der Töchter hat sie dann erlöst.
Das Feuer wurde fachmännisch gelöscht.

Quelle:
Lieben Gott sein Bleistift
Karl-Heinz Meyer erzählt Geschichten aus Bremen und umzu (2001)
Druck: Rauschert Druck, Brinkum
Mit Genehmigung des Verfassers