Skilanglauf im Harz

Wir, das heißt zehn bis zwölf Freunde, die sogenannte „Zwölferbande“, wie wir uns selbst bezeichneten, fuhren vor Jahren regelmäßig im Januar für ein Wochenende in den Harz. Genauer gesagt, nach Bad Grund und später nach Braunlage.
Auf der Fahrt dorthin wurde in Bad Harzburg gemütlich „kaffeesiert“ und am Zielort in einer Pension Quartier bezogen. Nach dem sportlichen Teil auf der Schneepiste war dann jeweils der gemütliche Abend mit Tanz angesagt. Sonntags vormittags nochmals Langlauf und dann nachmittags in Sportkluft ins Kurhaus. Dort hat man uns, weil wir seit einigen Jahren bekannt waren und für stimulierende Stimmung auf dem Saal sorgten, sofort ein Zimmer zum Umziehen zur Verfügung gestellt. Die Kurkapelle, sonst von dem täglichen „Allerlei“ geplagt, lief zu großer Form auf. Sie hatte Anweisung, alle Tänze nach unseren Wünschen zu intonieren, wenn die Herrschaften vom Tanzsportclub Brinkum kommen! Aber bevor wir den Saal betraten, hatte einer noch diese Idee: Wir tauschen einfach die Frauen und setzen uns paarweise an getrennte Tische.
Gesagt, getan. Ich hatte Rosi W. am Arm, damit der Altersunterschied auffallen sollte. Der etwas korpulente Schlagzeuger hatte die Sachlage sofort erkannt und blinzelte mit den Augen. Nur die spärlich vorhandenen Kurgäste hatten natürlich keine Ahnung.
Die Tanzfläche wurde sofort gestürmt und erobert. Nach einem wunderschönen Tango nahm einer der Gäste mutig meine „Scheinfrau“ an die Seite, und es entwickelte sich folgendes Gespräch:
„Gestatten Sie eine Frage?“
„Ja, bitte!“
„Sagen Sie mal, der Herr, mit dem Sie den Tango so gekonnt getanzt haben, ist das Ihr Mann? “
„Ja, sicher!“
„Aber dieser enorme, verzeihen Sie, wenn ich das so sage, Altersunterschied? “
„Was meinen Sie wohl, wie der mich täglich verwöhnt! Wir passen gut zusammen!“
Leicht indigniert ging der Kurgast zurück an seinen Tisch und flüsterte seiner Begleiterin etwas ins Ohr. Daraufhin Kopfschütteln ihrerseits.
Nach geraumer Zeit haben wir dann die Einzeltische verlassen und uns, wie es sich für Gruppen gehört, zusammengesetzt. Dann ging auch das Licht bei den anderen Kurgästen auf und das Gelächter im Kursaal war noch nebenan im Uhrenmuseum zu hören. Wi hebbt jümmer ne masse Spoos hatt’t, dor in’n Horz!

Quelle:
Lieben Gott sein Bleistift
Karl-Heinz Meyer erzählt Geschichten aus Bremen und umzu (2001)
Druck: Rauschert Druck, Brinkum
Mit Genehmigung des Verfassers