Balbos Kegeltrip

Mutter und Tochter auf der Bremer Straße in Brinkum, Standort Buch- und Papiergeschäft Liepe mit Blickrichtung Textilhaus Ocker. Kind: „Mama, Mama, guck mal, der Onkel kann aber schnell laufen!“
Mutter: „Ach Hildlinde, dumme Deern, das ist doch Onkel Helms – der fährt auf`m Mofa!“
Beim Näherkommen sind tatsächlich Vorderrad und Lenker zu erkennen. Die anderen Mofa-Teile, TÜV-gerecht mit verstärktem Rahmen und Spezialsattel ausgerüstet, waren durch Johanns Körperbau verdeckt. Damit ist über die Anatomie von Johann Helms, den Altbrinkumer unter dem Namen „Balbo“ kennen, schon alles gesagt.
Die Geschichten, die nun „das Licht der Welt erblikken“, stammen teils von Johann Helms selber, teils von unserem ehemaligen „Postminister“ Karl Gutjahr. Dieser hatte eine ausgesprochen amüsante Art, alte Geschichten wiederzugeben. Er sollte die Geschichten ja eigentlich aufschreiben, aber wie es im Leben ist: Der Sensenmann war schneller…
Somit bin ich nun also an der Reihe!
Kegelausflug an der Oberweser. Ob es in Polle oder in der Stadt mit dem durchgesägten Pferd des Barons von Münchhausen, Bodenwerder, war, ist nicht überliefert. Spielt aber auch keine Rolle… Die Städte habe einiges gemeinsam: Sie haben eine Weserbrücke, die sich leicht gewölbt von Ufer zu Ufer schwingt.
Doch diese Brücken haben natürlich ein Geländer mit senkrechten Streben im Abstand von zwanzig bis dreißig Zentimetern wegen der statischen Vorschrift. Und was liegt näher, jedenfalls bei unserem lieben Johann, als ein wenig Musik zu machen.
Nicht eintönig, iwo! Schön einmal Holz, einmal Eisenspitze. Sie wissen, was ich meine. Das klingt in einer biederen Stadt besonders reizend, und das zu nachtschlafener Zeit! Mehrere hundert Meter weit zu hören.
Im Polizeihaus spitzte man die Ohren und brauchte Balbo nur noch abzufangen. Ab zur Wache! Und wie es im Leben so oft ist: Neben dem Pech liegt auch mal das Glück. Wer hat Nachtdienst? Ein Polizeibeamter, der vor einigen Jahren von Brinkum dorthin versetzt wurde. Was macht man in dieser Situation? Man fällt sich in die Arme und trinkt einen. So wurde die verhängte Strafe mit Flüssigkeit (hart) an Ort und Stelle abgesessen.
Der Beamte wurde für den Rest der Nacht beurlaubt, denn im Dienst herrscht Alkoholverbot: So endete ein Kegelabend unter Polizeiaufsicht. Das Hotel hat keinen Pfennig für unbenutzte Betten nachgelassen. Wo kämen wir da auch hin? Aber das Frühstück hat geschmeckt. Na sowas?!

Quelle:
Lieben Gott sein Bleistift
Karl-Heinz Meyer erzählt Geschichten aus Bremen und umzu (2001)
Druck: Rauschert Druck, Brinkum
Mit Genehmigung des Verfassers