Der Mähwettbewerb

Hinter der Drogerie und Parfümerie Walde in Brinkum steht ein Altbau. Dieser Altbau ist eine ehemalige Kegelbahn, die damals zum großen Hotel Förster gehörte. Dieses Hotel wurde im 2. Weltkrieg durch Bomben zerstört – die Kegelbahn blieb übrig.
Und in dieser ehemaligen Kegelbahn wurde Sonntag für Sonntag Karten gespielt.
Aber darum geht es in dieser Geschichte nicht. Denn hinter dieser „Quasselbude“ befindet sich ein Grundstück – eine Grasfläche von ca. 50 qm. Hier konnte die Drogistenfamilie Walde ungesehen Kaffee trinken. Aber solch ein Grundstück muss ja auch ein bisschen gepflegt werden. Und wenn das Gras zu lang wird, ist es mit einem Rasenmäher eine mühselige Arbeit. Ganz klar: Da muss eine Sense ran.
Fritz Walde, auch ein Brinkumer Original und schlitzohrig, wie er manchmal war, schrieb einen „Mähwettbewerb mit Sense“ aus. Karl Gutjahr war Protokollführer – alles mußte nach dem Vereinsrecht seine Ordnung haben. Die Sensenmänner hießen Johann Heitmann und, wie konnte es anders sein, Johann Helms, genannt „Balbo“.
Der Kampf sollte also losgehen. Aber vorher musste noch ein Preis für den besten „Sensenkundigen“ ausgesetzt werden. Man einigte sich auf DM 100,-. Es ging um Schönheit und Schnelligkeit der „Sensur“.
Und auch noch vorher: Sensen dengeln genau nach Zeit (Protokoll). Und natürlich nicht zu vergessen:
drei Runden „Kurze“ zum Ölen der Armgelenke. Vielleicht waren es auch noch mehr, um dem Wettkampf den nötigen Schwung zu verleihen. Dieser wurde so perfekt durchgeführt, dass Fritz als absoluter Laie von dieser bäuerlichen Tätigkeit hellauf begeistert war.
Laut Protokoll war Joh. Heitmann der Sieger. Balbo mußte also zahlen. Aber wenn man sich so schlecht von seinen Moneten trennen kann, findet man irgendwie einen anderen Weg der „Schuldenabwälzung“. Später, im vertrauten Kreis, gab Balbo dies kund:
„Ick loot em ersmol twee-, dreemol mohnen un denn betohl ick em monotlich eene Mark aff. No dree Monot loot ick em noch mol moohnen. Und so geit dat denn so langsom dorhenn. Und ick reken dormit, dat Jan Heitmann doröber wegstarvt.“
Und so war das auch. Balbo war neben einem Schlitzohr auch noch ein kleiner Hellseher.
Für Fritz Walde war die Sache nicht ganz billig, weil die Teilnehmer nach dem Kampf in der Kegelbahn wieder aufgepäppelt werden mussten. Denn Balbo pflegte bei solchen „Sitzungen“ stets zu sagen:
„Wenn dat Drängen denn gorkeen Ende nimmt – denn do mi man noch eenen.“
Wie die vier ihr Zuhause erreicht haben, ist nicht überliefert, doch Spaß an der Arbeit ist immer gut, wenn man auch des öfteren ein gefülltes Glas zum Mund führen muß.

Quelle:
Lieben Gott sein Bleistift
Karl-Heinz Meyer erzählt Geschichten aus Bremen und umzu (2001)
Druck: Rauschert Druck, Brinkum
Mit Genehmigung des Verfassers