Mit der Geschichtswerkstatt Brinkum auf Spurensuche

 

vhs

Mit der Geschichtswerkstatt Brinkum
auf Spurensuche
durch das westliche Brinkum

Leitung: Harry Schröder

Quellen:
Erinnerungen an das alte Dorf Brinkum
Horst Rauschert
Verlag E. & H. Rauschert Brinkum

Brinkum Bilder von Gestern und Heute
Horst Rauschert
Verlag E. & H. Rauschert Brinkum

1.Bremer Straße 29

haus_lohmann
Haus Lohmann
Hausname: Fassens, weil das Haus von 1530 bis 1659 im Besitz von Fassmer
(Vassmer) war.

1659 Einheirat von Dietrich Buschmann von der
gegenüberliegenden Hofstelle.
1777Einheirat von Albert Lohmann (Lohms).
1729nach Brand neu errichtet.
1834erneuert, renoviert, der Backsteingiebel ist der
älteste im Kreis.

Heute wird das Haus als Begegnungsstätte genutzt.
An der Südseite befindet sich ein Ziehbrunnen von 1718.

2.Vorsteher-Kirchhoff-Straße 3

Haus Helms
Hausname: Plumps auch Burnkrog

1629kauft der Verwalter des Erichshofs, Philipp Sigismund
Bremer, den Hof und erhält
1649einen Freibrief über die Kötnerstelle.
1856verzichtet der damalige Besitzer auf die Freiheit der
Kötnerstelle und gibt den Freibrief an die Gemeinde zurück. (Eine
Kopie befindet sich in der Geschichtswerkstatt.)
Seit
1883im Besitz der Familie Helms.

3.Bahnhofstraße

Betrieb der Druckerei Rauschert
An der Ecke Bahnhofstraße / Bremer Straße befand sich der Hof von
Stubben-Lohmann. (Foto von 1882)
stubben_lohmann
Gegenüber befand sich von

1906bis 1914 die Druckerei Hillje, danach die Schmiede von
Ferdinand Klasing.
1914bezog Gerhard Hillje einen Neubau in der Bremer
Straße (Hausnummer 20).

hillje
Bahnhofstraße 2
hillje_neubau
Bremer Straße 20

Hier wurde die „Brinkumer Zeitung“ gedruckt, die

1902gegründet und
1903an ihn verkauft worden war.

Die Zeitung erschien damals
drei Mal in der Woche in einer Auflage von 170 Exemplaren. In den neuen
Räumen wurden Zeitung und Geschäftsdrucksachen produziert und ein
Buch-/ Schreibwarenhandel betrieben. Das Haus musste 1977 im Zuge der
Verbreiterung der Bundesstraße 6 abgerissen werden. Die Druckerei war
schon Anfang der sechziger Jahre auf die andere Straßenseite gewechselt,
wo modernere und größere Druckereiräume entstanden waren. Ab
1958 firmierte das Unternehmen unter E.&H. Rauschert, heute als
Rauschert-Druck GmbH.
Der Neubau von Druckerei, Zeitungsverlag und Buch- und Schreibwarenhandlung
stand bis in die siebziger Jahre.

4.Hermannstraße, ehemals Im Sack:

Stubben-Lohmann verkauft

1907an Anna Drücker vom Nachbargrundstück (Ecke Im
Sack).
1945abgebrannt, danach an Rauschert verkauft.

hermannstr
Rechts: Ecke Klocke, daneben Feuerwehrhaus auf
Gemeindegrundstück,

1927von Bitter gekauft.

Das letzte Haus rechts ist Wilkens Hof (Jetzt Erna Albers geb.
Wilkens).
wilkens
Hinten quer der Hof Heineke mit Storchennest und Bullen

1945abgebrannt.

5.Bahnhofstraße Ecke Gartenstraße

Haus Christ
Dr. Christ betrieb eine dreiklassige Privatschule im
Gebäude der Schule Jahnstraße.

6.Bahnhofstraße 14

helms
Helms

7.Bahnhofstraße 13

Mühle Meier (Jetzt Schmidt)
Im Jahre 1913 gab es in Brinkum fünf Mühlen. Im Bremer Hafen wurde
billige Gerste angelandet, die hier zu Futter verarbeitet wurde, weil in
großem Umfang (13.363 Schweine) Schweinemast betrieben wurde. Daraus
resultierte großer Wohlstand. Beispiele: Ströhmann, Helms, Hamel,
Wülbers

8.Bahnhofstraße 17

wuelbers
Wülbers

Hinrich Wülbers arbeitete Ende der zwanziger Jahre in Brinkum als
Desinfektor und Trichinenbeschauer. Er hatte bei Schlachtungen ein strenges Auge
darauf, dass alles sauber und keimfrei ablief. Das auf dem Bild ein Hund den
Wagen zieht, war seinerzeit übrigens kein ungewöhnlicher Anblick.
dienstwagen
Der „Dienstwagen“ fungiert als Spielzeug der Kinder.

9.Bahnhofstraße 18

stroehmann
Ströhmann

Dieses Foto entstand um 1910.

10.Bahnhofstraße 19

Druckerei Stahmann – Krieghoff – Rauschert – Liepe als Folge des Ausbildung bei
Gerhard Hillje.

11.Bahnhofstraße 22

Griechisches Speiserestaurant
buckmannEhemals Buckmann Gasthaus „Zur Sportklause“.

sportklauseUm 1930

saal
Saal

1924 Vereinslokal des BSV.

Der Sportplatz war hinter der Bahn rechts. (Gothaer
Straße).

12.Bahnhofstraße 29

Bahnhof
Bahnhof

Der Brinkumer Bahnhof wurde

1908 gebaut und galt seinerzeit als der großzügigste
„Dorfbahnhof“ weit und breit. Auf dem Bild ist im Hintergrund der provisorische
Lokschuppen mit Wasserturm zu sehen. Dieses Gebäude wurde schon

1910 wieder abgebrochen und an der Endhaltestelle der Kleinbahn in
Thedinghausen wieder aufgebaut.

Ab Oktober 1910 wurde die Post- und Personenbeförderung von der Kleinbahn
Bremen – Thedinghausen übernommen. Bei der Jungfernfahrt waren die
Regierungsvertreter von Bremen, Oldenburg, Hannover (Preußen) und
Braunschweig dabei, also der Länder, durch die die Strecke führte. In
Brinkum, der ersten preußischen Station, sangen Kinder unter Leitung von
Kantor Voshage ein Begrüßungslied. Danach hielt der Gemeindevorsteher
Kirchhoff eine Ansprache, die mit einem dreifachen Hoch auf seine Majestät
dem Kaiser endete.
Am 01.06.1912 ereignete sich ein „schweres Eisenbahnunglück“. Kurz vor dem
Bahnhof Erichshof, in der Kurve hinter dem Grundstück Hannover, Am
Kalberkamp, hatte jemand eine Schraube in eine Gleisfuge gesteckt und den Zug
zum Entgleisen gebracht. Die Lokomotive und der Bahnpostwagen lagen neben dem
Bahndamm; zwei weitere Wagen entgleisten zwar, blieben aber stehen.
unglueck
Während der Lokomotivführer und der Heizer mit dem bloßen
Schrecken davonkamen, erlitt der Bahnpostschaffner Mackeben eine
Gehirnerschütterung. Zwei Ärzte aus Brinkum waren gleich zur Stelle
und
bemühten sich um den Bewußtlosen. Er erholte sich bald wieder, so
daß er um 16 Uhr nach Bremen weiterfahren konnte. Im Frauenabteil des
nächsten Wagens erlitten eine Frau und ein Kind leichtere
Verletzungen.

13.Gasanstalt

1907 beschloss der Brinkumer Gemeindeausschuss, eine Gasanstalt
bauen zu lassen. Zwei Jahre später war das Werk an der Bahnhofstraße (damals
Stuhrer Chaussee) einsatzbereit. Es hatte vor allem die Aufgabe, die
öffentliche Straßenbeleuchtung mit Energie zu versorgen. Rund 75.000
Kubikmeter wurden schon im ersten Jahr erzeugt – damit arbeitete die kleine
Gasanstalt zunächst sehr rentabel.
Doch die Brinkumer „Gas-Epoche“ währte nur elf Jahre.

1920 wurde das Gaswerk auf Abbruch verkauft. Grund für den
Untergang war hauptsächlich der Mangel an Kohlen, die zur Gasherstellung
benötigt wurden. Doch auch andere „ganz unglückliche und
merkwürdige Umstände“ führten zum Bankrott, wie
die Lokalzeitung damals geheimnisvoll andeutete.

gas_west
Gasanstalt von Westen
gas_ost
Gasanstalt von Osten

Die Kommune baute in den sechziger Jahren auf diesem Gelände zwei
Mehrfamilinhäuser. Das Verwalterwohnhaus steht noch heute. Es wurde

1925 das erste Gemeindebüro.

14.Stuhrgraben (Stura)

Der bis Mackenstedt fließende Klosterbach hatte ehemals einen anderen
Verlauf und wandte sich unterhalb Mackenstedt nach Nordosten zur Ochtum, wo er
noch heute Stuhrgraben genannt wird.
Der heutige Klosterbach hat wahrscheinlich durch Ausbau des vorhandenen kleinen
Baches (Varreler Graben) seine heutige Mündung in der Ochtum erhalten. Auf
der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1773 ist die Teilung dieser beiden
Wasserläufe deutlich sichtbar.
Es ist heute schwer, durch ein Gewirr von Gräben eine Verbindung vom
Stuhrgraben zum Klosterbach zu finden.
Von der Autobahn bis zur Mündung in die Ochtum verläuft ein paar
hundert Meter östlich vom Stuhrgraben der Seegraben. Beim Vergleich alter
Karten stellt man fest, dass der alte Seegraben durch ein niedrigeres
Gelände verlief als der Stuhrgraben. Daraus kann man folgern, dass der alte
Stuhrgraben sich dort seinen natürlichen Weg selbst gesucht hat. Bei den
Kultivierungsmaßnahme durch die Stuhrer Kolonisten wurde er dann weiter
nach Westen verlegt.
Kurz vor Stuhrbaum mündet auf der rechten Seite die Rönneken in den
Stuhrgraben. Sie entspringt zwischen Angelse und Wulfhoop, fließt
nördlich am Jochen vorbei, streift den südlichen Zipfel des
Briseckwohngebietes und fließt dann westlich der Bassumer Straße am
Brunnenweg entlang durchs Brinkumer Moor in den Stuhrgraben.
stuhrgraben
Der Stuhrgraben bei Eisgang – Grenzbach zwischen Brinkum und Stuhr, zwischen
Hannover und Oldenburg, einst zwei ganz unterschiedlichen deutschen Provinzen.
Links im Bild steht das Brinkumer Gemeindehaus (auch Armenhaus enannt),
das

1912 für 7.148 Mark nach Plänen des Zimmermeisters
Hinrich Scharringhausen gebaut wurde. Rechts ist das Anwesen
Scharringhausen zu sehen, das bereits auf Stuhrer Gebiet liegt. Die Brücke
über den Stuhrgraben verläuft zwischen den beiden Häusern. Die
erste Brücke wurde

1865 gebaut, bis dahin mussten Fuhrwerke eine Furt
benutzen.

Das Gemeindehaus wurde für den Bau der Autobahn in den sechziger Jahren
abgerissen.  An dieser Stelle verläuft heute der Tunnel, der die
Bahnhofstraße unter der Hansalinie hindurch führt.

wehrIn der kalten Jahreszeit wurden die Brinkumer Wehre geschlossen. Durch die
Überschwemmung der Marsch wurden die stark wasserführende Ochtum und ihre
Nebengewässer entlastet.

15.Ausgrabungen

In der Karte von 1773 der topographischen Landesaufnahme des Kurfürstentums
Hannover, welche außerordentlich genau gezeichnet und in der jedes
Hausgrundstück mit allen darauf befindlichen Gebäuden vermerkt ist,
sind am Rande des „Betsbruches“ und an den „Betkamps Höfen“ 6
Hausgrundstücke, jedoch ohne Gebäude eingezeichnet. Da der
„Betsbruch“ als eine vorchristliche und vielleicht auch als eine christliche
Kultstätte
angesehen werden muß, – unsere Vorfahren meistens in der Nähe von
Kultstätten ihre Wohnsitze hatten und ferner der in der Nähe
vorbeifließende Stuhrer Graben für Trinkwasser und für den
Fischfang in Frage kam, – wird die erste Siedlung von Brinkum auf den „Betkamps
Höfen“ gewesen sein. Bodenforschungen sind hier noch nicht vorgenommen
worden. (aber im Jan. 2002 bis Mai 2002.)

karte_bri73

16.Neue archäologische Funde in Brinkum/Betkampshöfe (im
Dezember 2001
bis zum Mai 2002)

Am Freitag, den 28. Dezember 2001 las ich in der Kreiszeitung einen Bericht
über den Bau einer Straße durch die Betskampshöfe.Mir war klar,
dass sie Trasse durch ein altes Siedlungsgebiet der Chauken führte. Der
Brinkumer Heimatforscher Hans Peters hatte in den dreißiger Jahren dort in
unmittelbarer Nähe auf dem damaligen Denkerschen Grundstück bedeutende
vorgeschichtliche Funde gemacht. Die Aufzeichnungen darüber von Hans Peters
waren mir bekannt, und auch sein Hinweis, dass auf dem östlich angrenzenden
Acker weitere Funde zu erwarten seien. Ich fuhr sofort mit einem Spaten zur
Baustelle. Leider war die freigeschobene Trasse schon wieder mit Sand
gefüllt, so dass Urnen, Sandverfärbungen usw. nicht mehr zu entdecken
waren. Ich suchte daher in den aufgeschütteten Sandwällen im Norden
und Osten der Baustelle. Dabei stieß ich auf Urnenscherben mit Asche und
Knochenresten.

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