Der zentrale Omnibusbahnhof

ZOB 2005
ZOB 2005

Im Jahre 1978 erteilte die Gemeinde einen Planungsauftrag, um einen Vorentwurf über das Aussehen dieser seit 1976 vorgesehenen zentralen Verkehrsanlage zu erhalten. Mit dem Busbahnhof wollte die Gemeinde die fünf durch Brinkum führenden Buslinien mit weit auseinander liegenden Haltestellen an einer Stelle zentralisieren und vernünftige Umsteigemöglichkeiten schaffen, was bis dahin aus Gründen der vergebenen Konzessionen nicht möglich war. Schon 1976 hatte der Rat eine Veränderungssperre für das Gebiet des künftigen ZOB beschlossen, die zweimal verlängert werden musste, weil bis 1979 keine Einigung zwischen Gemeinde und Grunstückseignern erzielt werden konnte.
Zwischenzeitlich gab es eine weitere Verzögerung im Planungsprozess durch die Ablehnung des Bebauungsplanes durch die Bezirksregierung. Zuerst müsse der Flächennutzungsplan genehmigt sein. Diese Genehmigung erfolgte dann im Dezember 1981.
Ursprünglich war das Gebiet von der Bassumer Straße, Georg-Lohmann-Straße bis zur Wandelstraße als ZOB, Parkplatz u. Marktplatz vorgesehen. Aufgrund von Einwendungen von Anwohnern wurde 1980 mit dem Bebauungsplan das Gebiet halbiert. Mit der Fertigstellung wurde für 1984 gerechnet. Die Eigentümer der benötigten Flächen hatten dem Verkauf aber noch nicht zugestimmt.
1983 war dann der Bebauungsplan genehmigt, das Gelände gehörte der Gemeinde aber immer noch nicht. Ob die Gemeinde das mit einer alten Essigfabrik und weiteren Gebäuden bebaute Grundstück je kaufen kann, war damals ungewiss. Dreimal musste der Bebauungsplan wegen Einsprüchen von Grundstückseigentümern öffentlich ausgelegt werden.
Sechs Jahre, sechs Monate und drei Tage dauerte der Genehmigungsprozess.
In 1984 konnte dann die Hälfte der ursprünglich geplanten Fläche gekauft und im Herbst sollte mit dem Bau begonnen werden. Bis zum 1.10.1984 sollten alle auf dem Grundstück befindlichen Gebäude abgerissen sein.
Tatsächlich begannen im August die Abbrucharbeiten der 1897 errichteten, 1945 im Krieg zerstörten und 1960 wieder aufgebauten Brinkumer Essigfabrik. Auch die Reste des Kaufhauses Schumacher und die auf der anderen Seite der Georg-Lohmann-Straße liegende Post wurden dem Erdboden gleichgemacht. Auf dem Gelände der Post sollte ein Bank- und Geschäftshaus entstehen.
Kurz vor Beginn der Abbrucharbeiten konnte Christian Böttcher noch eine dicke Kartoffel ernten. Mit ihren 720 Gramm sah sie aus wie ein Brot – eine normal dicke Kartoffel wiegt etwa 150 Gramm -.
Obwohl die Bauarbeiten seit November liefen, erfolgte im Januar 1985 noch eine Anpassung an die Wünsche der Busunternehmen.
Fertiggestellt wurde der Busbahnhof im Oktober 1985, die Parkplätze folgten 1986.
Zum Jahreswechsel 1985/1986 fand auf dem Busbahnhof die erste Silvesterfeier statt. Man ließ es richtig krachen.
Am 20.12.1986 veranstaltete die BRINKUMER INTERESSEN GEMEINSCHAFT den ersten Weihnachtsmarkt auf dem ZOB-Gelände.

Zentrum 1987
Zentrum 1987

Wechselvolle Entwicklung auf diesem Gelände

Auf dem Gelände hat seit vielen Jahren eine rasante Entwicklung stattgefunden.
1520 weisen alte Karten das künftige Busgelände nur als landwirtschaftliche Fläche ohne Häuser aus.
1773 zeigen Karten des Ortes an der heutigen Georg-Lohmann-Straße bereits Häuser.
1801 wird Brinksitzer Johann Mönks ausgewiesen.
1829 ist die Fläche für Hinrich Budelmann eingetragen. Sein Gebäude hatte die Hausnummer 52. Die Hausnummer 51 übernahm Moses Gmuxl Weinberg.
1836 wurden die beiden Grundstücke für Ludwig Köhler und Hinrich Schulte eingetragen.
1846 beginnt Ludwig Köhler mit seiner Tabak- und Essigfabrik die gewerbliche Nutzung einer Teilfläche an der späteren B6.
1850 wird auf der anderen Fläche Hinrich Schulte als Pfarrbrinksitzer ausgewiesen.
1856 sind Albert Lohmann sowie Firma Köhler und Sohn genannt.
1876 wird Albert Lohmann als Abbauer bezeichnet.
1899 erwarben Schumachers eine Fläche, die einst Johann Mönks gehört hatte.
1963 wird Ilse Lohmann geb. Schumacher als Besitzerin erwähnt.

Erläuterungen:

Brinksitzer: Kleinstbauern mit eigenem Haus, aber nur wenig Grundbesitz.
Pfarrbrinksitzer: Kleinstbauer mit Abhängigkeit von der Pfarrei.
Abbauer: Neusiedler, die in die Dorfgemeinschaft eintraten und ein Haus mit Grundstück, aber keine eigenen landwirtschaftlichen Nutzflächen besaßen.

wohnhaus
Wohnhaus Lohmann 1925  Das Wohnhaus wurde 1926 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.
wohnhaus_h
Wohnhaus mit Hof 1925
buero
Büro 1925
Fabrikgebäude
Essigfabrik 1925
Wohnhaus1926
Wohnhaus1926
Lohmann 1945
Wohmhaus 1945

Während die Lohmanns ihre Essig-Produktion dem ständig steigenden Markt anpassten, bauten die Schumachers einen Gemischtwarenladen auf. Vor mehr als 100 Jahren kam eine Dampfmühle hinzu.

Schuhmacher 1881
Schumacher 1881
Dampfmühle
Dampfmühle

Die Nachbarskinder Erich Lohmann und Ilse Schumacher heirateten. So wurde aus den zwei Grundstücken eines.

Die neue Essigfabrik war 1897 erbaut worden. Sie wurde 1945 zerstört und 1950 wieder aufgebaut.
1945 wurde auch der Kaufmannsladen der Schumachers zerstört.
Bei der Essigfabrik wurde auf ein Wohnhaus verzichtet, Heinrich Schumacher wollte jedoch seinen Laden dort wieder aufbauen, wo er zuvor gestanden hatte. Das Straßenbauamt verlangte jedoch eine Zurücksetzung, mit der Heinrich Schumacher nicht einverstanden war. Nach verlorenem Streit baute er den Laden in der heutigen Georg-Lohmann-Straße.

Lohmann 1945
Lohmann 1945
Bremer- und Syker Straße 1945
Bremer- und Syker Straße 1945

Das Bild zeigt einen Blick in die Bremer- und Syker Straße 1945. Nur Trümmer und ein paar verbrannte Bäume blieben nach den Kämpfen und Luftangriffen übrig. Das Anwesen Lohmann Nr. 1 (Heute Kreissparkasse), Haus und Mühle Schumacher sowie Wohnhaus und Essigfabik Lohmann – Firma Köhler & Sohn – sind dem Erdboden gleich gemacht oder ausgebrannt.

Ilse Lohmann hat sich für den Verkauf der Teilfläche für den ZOB nur wegen des gültigen Bebauungsplanes entschließen müssen. Sie gab nach zähen Verhandlungen mit der Gemeinde zum 1. Juni 1984 ihre Rechte auf.
Die Hälfte der Fläche zwischen der Syker Straße und der Wandelstraße blieb in ihrem Besitz.

Erweiterung

Die Ansicht, das sich um den ZOB eine City-Struktur entwickelt, hat sich nicht verwirklicht. Bei allen Überlegungen, den Ortskern attraktiver zu gestalten, spielten der ZOB und umliegende Grundstücke immer eine Rolle. Seit 2004 hat sich die Gruppe „Brinkum in Fahrt“ u.a. mit der Ortskernentwicklung beschäftigt. Um Ideen umsetzen zu können, mussten Grundstückseigner dafür gewonnen werden. Am Besten planen lässt sich jedoch auf eigenen Flächen.
Man erzählt sich, dass Ilse Lohmann sich beim Verkauf der Teilfläche für den ZOB nicht fair behandelt fühlte und deshalb die noch in ihrem Besitz befindliche Fläche am ZOB auf keinen Fall verkaufen würde. So entstand ein Tannenwäldchen in bester Lage.
Als die Erben die Absicht hatten, dann doch das rund 3 479 Quadratmeter große Grundstück zu verkaufen, hat der Rat am 29.03.2006 eine Veränderungssperre beschlossen. Mit der Veränderungssperre konnte eine Nutzung zu Wohn- und/oder Geschäftszwecken verhindert werden. Am ZOB gäbe es nicht genug Parkplätze, um zusätzlichen, mit einer solchen Nutzung verbundenen Bedarf abzudecken. Gerade dieses Grundstück sei aber zur Ausweisung neuer Stellplätze geeignet, mit deren Notwendigkeit mittel- und langfristig zu rechnen sei.
Anfang 2006 konnte dann die Gemeinde das Grundstück erwerben.
2007 wurden der Wald auf dem hinter dem ZOB befindlichen Teil gerodet und ein Wohnhaus abgerissen.

Rodung des "Wäldchens"
Rodung des „Wäldchens“

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Blick auf den Parkplatz
Blick auf den Parkplatz
Im Hintergrund Höhl Leuchten
Im Hintergrund Höhl Leuchten
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Freier Blick auf Höhl Leuchten

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Im April wurde die von der Verwaltung vorgeschlagene und von „Brinkum in Fahrt“ befürwortete Bebauung des Grundstückes im Anschluss an den ZOB vom AGU mit einer Gegenstimme gebilligt.

Plan der ZOB Erweiterung
Plan der ZOB Erweiterung
Planierung des Geländes
Planierung des Geländes

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der am 2.11.2007 von der BRINKUMER INTERESSEN GEMEINSCHAFT mit einer kleinen Feier eingeweiht wurde. 2008 wurde auch der Zaun entfernt um einen freien Blick auf die dahinter befindliche Wiese zu gewähren. Die Störungen, die von Jugendlichen ausgingen, wurden danach deutlich weniger.
Die Gemeinde hat inzwischen weitere Grundstücke erworben und einen Planungsprozess eingeleitet, der zum Bau eines wirklich lebendigen Zentrums für Brinkum führen soll, mit einem Platz mit hoher Aufenthaltsqualität anstelle eines überdimensionierten Busbahnhofs.

Quellen:

Weser-Kurier, Regionale Rundschau, Erinnerungen an das Dorf Brinkum, Brinkum Bilder von Gestern und Heute.